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Was der ÖPNV von seinen Kundinnen lernen kann #HauptstadtAmDienstag



Wie unterscheidet sich eigentlich das Nutzungsverhalten von Frauen und Männern im ÖPNV? Mit dieser Frage sah sich das dänische Beratungsunternehmen Ramboll 2018 im Rahmen des Girls‘ Day konfrontiert, woraus die Idee einer neuen Mobilitätsstudie erwuchs. Ebendiese Studie mit dem Titel "Gender & (Smart) Mobility" ist im Frühjahr 2021 erschienen und untersucht, wie Männer und Frauen den öffentlich Nahverkehr nutzen und bewerten, und das in sieben Ländern. Durch Analyse vorhandener Daten, Expert:innen-Interviews und neue Datenerhebungen sollten bestehende Datenlücken geschlossen werden. Denn Frauen sind zwar die größere Passagiergruppe im ÖPNV, doch Strategie und Planung liegen meist noch bei Männern.


Im MoveUp Gender und Mobility, zu dem die beiden WiM Hubs RheinRuhr und Berlin gemeinsam eingeladen hatten, stellte Dr. Viktoriia Betina, Transport and Mobility Consultant bei der Ramboll Deutschland GmbH, die Studie vor. Und tatsächlich stützen die Daten die gefühlten Unterschiede in der Nutzung von Verkehrsmitteln durch Frauen und Männer.


  • Frauen gehen mehr zu Fuß und nutzen häufiger den ÖPNV als Männer

  • Männer fahren öfter mit dem Auto, dagegen sind Frauen häufiger Beifahrerinnen

  • Das gilt auch für Länder wie Deutschland oder Schweden, in denen Frauen und Männer gleich oft einen Führerschein besitzen

  • Männer haben weniger komplexe Wegemuster, sie fahren öfter nur von A nach B

  • Frauen legen eher mehrere und kürzere Strecken zurück und kombinieren Wege, etwa den Einkauf auf dem Weg von der Arbeit nach Hause

  • Frauen begleiten öfter andere Familienmitglieder, wie Kinder oder ältere Menschen, und führen häufiger Taschen, Einkäufe oder Kinderwagen mit sich

  • Auch das Sicherheitsempfinden unterscheidet sich, so fühlen Frauen sich öfter unsicher im ÖPNV, fürchten Belästigung und meiden schlecht beleuchtete Bahnsteige, weite Wege am Abend oder Routen mit mehreren Umstiegen

Da die Befragungen zur Studie im Frühjahr 2020 durchgeführt wurden zeigte sich ebenfalls, dass Frauen den ÖPNV auch in Bezug auf eine Corona Ansteckung als unsicherer betrachteten als Männer.


Der VBB, seines Zeichens Europas größtes Verbundgebiet, war als Projektpartner an der Studie beteiligt. Verena Löw, Head of Strategy & Communications beim VBB, gab einen Einblick in die Perspektive des VBB auf die genannten Daten. "Eine verbesserte Infrastruktur und barrierefreier Zugang zum öffentlichen Nahverkehr kommt nicht nur Frauen zugute, sondern allen, die den ÖPNV nutzen wollen und denen wir dieses Angebot machen wollen. Eine Untersuchung der geschlechterspezifischen Auswirkungen von Politik, Plänen und Projekten gibt es zudem selten", so Verena Löw, weshalb der VBB das Ansinnen von Ramboll gerne unterstützt habe.


Als dritte Speakerin kam die BVG Vorstandsvorsitzende Eva Kreienkamp zu Wort. Auch die BVG beschäftigt sich mit weiblichen Perspektiven auf Mobilität und ÖPNV, wenn auch die Branche traditionell männlich geprägt ist. Sicherheit, Sauberkeit und Wohlbefinden stünden für Frauen - die übrigens bei der BVG die Mehrheit der Abo-Kundschaft ausmachen - an erster Stelle bei der Wahl des Verkehrsmittels. Gerade hier wolle man ansetzen, und hat daher die Bedürfnisse weiblicher Fahrgäste deutlicher in den Fokus gerückt. "Niedrigschwellige Angebote zu schaffen und Fahrgäste transparent über geplante Maßnahmen zu informieren wird langfristig allen ÖPNV Nutzer:innen zugutekommen – nicht nur den Frauen", so Eva Kreienkamp.


Beim Berliner Hub machen die MoveUps nun eine Sommerpause. Ein persönliches Netzwerk-Treffen ist aber für August geplant. Beim Railway Forum am 7. September werden die WiM ebenfalls vertreten sein und weitere MoveUps und Workshops sind in Planung. #staytuned

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