„Ich arbeite seit drei Jahren intensiv daran, dass sich unser Mobilitätsverhalten verändert. “

Unsere Mobilmacherin der Woche, Lisa Schultheis, ist gelernte Friseurin. Nach der Lehre hat sie ihr Abitur nachgeholt und in Medienkulturwissenschaften und Psychologie studiert. Sie arbeitete als freie Radio- und Fernsehjournalistin. Heute sorgt sie bei goFLUX dafür, dass Menschen Autos gemeinsam nutzen und so Emissionen sparen.


Lisa Schultheis ist Head of Communications bei goFLUX Mobility. Sie kommt aus einer ländlichen Region in Hessen, lebt aber mittlerweile seit 17 Jahren in Köln. Seit dreieinhalb davon setzt sie sich dafür ein, dass Fahrgemeinschaften fester Bestandteil der Mobilität werden.


Dass Schultheis einmal in der Mobilitätsbranche arbeiten würde, hätte sie vor 15 Jahren nie gedacht, sagt sie. „Mein Weg war sowas von nicht-linear. Ich hab tatsächlich nach der Realschule damals Friseurin gelernt, weil ich Lust hatte, irgendwas handwerkliches zu machen.“ Weil sie schon während der Lehre gemerkt habe, dass ihr der kreative Arbeitsalltag zwar liege. Abitur und Studium reizten sie nun doch aber auch. Also holte sie nach ihrer Ausbildung das Abitur nach und studierte in Köln Medienkulturwissenschaften sowie Psychologie.


Ich hatte nach meinem Abitur einen Job, in dem mir mein Chef im Abschlussgespräch gesagt hat: "Lisa, das ist jetzt ein freundschaftlich gemeinter Rat: Ich glaube, studieren ist nicht das Richtige für Dich – und ob Du das so durchziehen wirst ....ich weiß ja nicht." Das war rückblickend die größte Motivation ever. Immer wenn ich im Studium nur ansatzweise gestrauchelt bin, hab ich gedacht: dem zeige ich, was in mir steckt.

Lisa Schultheis, Head of Communications bei goFLUX Mobility


Für Psychologie habe sie schon immer ein Faible gehabt, erzählt sie. Während des Studiums habe sie jedoch gemerkt, dass es sie nicht in die Forschung ziehe. „Ich bin mit dem Kölner Hochschulradio in Berührung gekommen und hab dort eine Miniausbildung gemacht. Ich war dort sehr schnell on air, was mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Da war mir relativ schnell klar: Es ist Journalismus. Das ist es, was ich erstmal weiterverfolgen will.“


Von der Friseurin zur Journalistin zur Mobilitätsgestalterin

Nach dem Studium absolvierte sie ein Volontariat beim Radio und arbeitete anschließend einige Jahre als freiberufliche Hörfunk-, TV- und Online-Journalistin, unter anderem für den WDR. „Das habe ich schon lange und auch sehr gerne gemacht“, so Schultheis.


Jetzt bin ich aber nun mal ein Mensch, der sich schnell langweilt, wenn er keinen neuen Input bekommt. Außerdem habe ich mich irgendwann nach mehr Sicherheit gesehnt. Komplett freiberuflich zu sein, hatte für mich Vorteile, die ich als Freigeist mag, trotzdem hat es mich, in der Form, auf Dauer nicht mehr happy gemacht.

Lisa Schultheis, Head of Communications bei goFLUX Mobility


Die Erkenntnis, dass der Job, auf den sie lange hingearbeitet hatte und in dem sie gut war, doch nichts für die Ewigkeit ist, habe lange in ihr reifen müssen. „Das war ganz schwierig für mich, weil ein Teil in mir immer dachte: Ich muss jetzt in dem Job bleiben, wenn ich so lange daraufhin gearbeitet habe. Einige kennen bestimmt das Gefühl, eigentlich woanders hin zu wollen, sich aber irgendwie begrenzt zu fühlen, wenn damit was Neues und Risiken verbunden sind. Nach ein paar Jahren war da irgendwas in mir, dass gesagt hat: jetzt brauche ich nochmal neuen Input.“


Vor allem aber habe sie eine Arbeit mit mehr Sinn gewollt. „Ich fand es einfach zu schade, dass meine Arbeit keine nachhaltige Wirkung hat“, sagt sie. Für einen anderthalb minütigen Beitrag habe sie mitunter zwei Wochen recherchiert, Gespräche geführt, den Beitrag produziert. „Wenn ich Glück hatte, ist der nach der Ausstrahlung in der Mediathek gelandet, aber die Geschichte war auserzählt.“


2019 habe dann goFLUX Mobility vor ihrer Tür gestanden. Schultheis erzählt: „Die haben damals ihr Team aufgebaut, ich hab mich beworben und wir haben uns relativ schnell gemocht und gesagt: „Okay, das passt. Wir probieren das.“ Schon war ich die erste Festangestellte und so bin ich letztendlich bei goFLUX Mobility gelandet.“

Ich mache mir, seitdem ich hier arbeite, viele Gedanken darüber, wie ich möglichst ressourcenschonend unterwegs bin. Ich wähle Verkehrsmittel viel achtsamer aus und bin bereit, nochmal eine Extrameile zu gehen, wenn ich damit der Umwelt etwas Gutes tue.

Lisa Schultheis, Head of Communications bei goFLUX Mobility

Dort ist sie mittlerweile Head of Communications und kümmert sich um interne wie externe Kommunikation: von der Pressemeldung über Briefings bis zum Videocontent.



„Von gelernter Friseurin zu Head of Communications bei einem Mobility-Startup ist ja nicht unbedingt der typische Weg“, sagt sie. All diese Erfahrungen haben ihr geholfen, sich immer weiterentwickeln. Und das Thema nachhaltige Mobilität gehöre nun fest zu ihrem Alltag. Sie sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass mich mal Mobilität und Mobilitätsthemen so faszinieren würden. Als Journalistin hatte ich natürlich schon immer mal wieder Anknüpfungspunkte, wenn zum Beispiel eine neue Bahnlinie eröffnet wurde. Aber da habe ich nur darüber berichtet. Heute ist Mobilität in meinem Leben omnipräsent: privat wie beruflich.“


Ergänzendes Mobilitätsangebot zum ÖPNV im Speckgürtel

goFLUX ist im Jahr 2018 entstanden, die GmbH ist 2019 gegründet worden. Zunächst lag der Fokus der Mitfahr-App nur auf B2B, erzählt Schultheis, mittlerweile können alle sie uneingeschränkt nutzen. Als Angebot für Mitarbeitende eines Unternehmens lasse sich schneller eine relevante Anzahl an Fahrten anbieten als auf dem B2C-Markt, so entsteht ein deutlich dichteres Netz. Außerdem laste auf den Unternehmen jetzt ein großer Druck, Emissionen zu sparen und den Angestellten nachhaltige Mobilitätsalternativen anzubieten.


Wir wollten nicht noch ein zusätzliches Verkehrsmittel auf die Straßen bringen, sondern die Ressourcen nutzen, die da sind. Nämlich die Autos, die jeden Tag massenweise unterwegs sind und in denen statistisch im Berufsverkehr 1,2 Personen und im privaten Verkehr 1,5 Personen sitzen. Wenn wir hier umverteilen, können wir den Verkehr viel effizienter machen.

Lisa Schultheis, Head of Communications bei goFLUX Mobility

„Wir hatten schnell die ersten Unternehmenskooperationen, zum Beispiel in Düsseldorf mit den Stadtwerken. Mit ihnen als Partnerin haben wir in der Region Düsseldorf gemeinsamen Vertrieb gemacht“, erzählt Schultheis. „Wir kooperieren aber auch mit Verkehrsverbünden und schaffen Schnittstellen in unserer App. So werden beispielsweise in der ÖPNV-App des Verkehrsverbund Rhein-Sieg auch unsere Fahrtangebote angezeigt. Das ist ein riesiger Schritt: Mitfahr-Angebote gleichwertig zu sehen“

Wer in der App eine Verbindung von A nach B sucht, bekommt nicht nur Bus und Bahn angezeigt, sondern auch die privat angebotene Fahrt, zum Beispiel bis zum nächsten Bahnhof. „Das betrifft vor allem den Speckgürtel, die Städte sind ja supergut ausgebaut, was den ÖPNV angeht“, sagt Schultheis. „Da wollen wir auch auf gar keinen Fall Konkurrenz sein, im Gegenteil.“


Die Mobilitätsnutzung von goFLUX

Insgesamt habe die goFLUX App aktuellmehr als 13 TausendNutzende, die mehr als 8000 Tausend Fahrten im Monat anbieten, hauptsächlich in der Rush Hour morgens und abends. Seit 2021 arbeitet goFLUX außerdem mit dem Landschaftsverband Rheinland zusammen, Mitarbeitende können durch die Mitfahr-App einfach und gemeinsam zur Arbeit pendeln.. „Ich arbeite seit drei Jahren intensiv daran, dass sich die Mobilität und unser Verhalten dazu verändert“, sagt Schultheis. „Es tut gut, das Gefühl zu haben, in meinem Job wirklich etwas bewegen zu können.“


Ich denke oft an mein Heimatdorf, in dem alle auf das Auto angewiesen sind, mit 18 Führerschein machen und eben immer eine Person fahren muss, egal, wo sie hinmöchte. Und ich finde es erschreckend, dass sich daran in den letzten 15 Jahren nichts geändert hat.

Lisa Schultheis, Head of Communications bei goFLUX Mobility


Das zeige, wieviel es, vor allem auch im ländlichen Raum, noch zu tun gibt. Die Menschen bräuchten einfach eine bessere Mobilitätsversorgung – und das überall! Das Startup sei zwar in vielen Bereichen davon abhängig, dass andere Akteur*innen sich bewegen, was gerade im öffentlichen Bereich dauere. „Aber wenn es irgendwann klick macht, freut mich das“, sagt sie. „Wenn wir zwei Jahre lang mit potenziellen Partner*innen gesprochen haben und sie dann mit uns kooperieren (wollen), ist das einfach total schön, da zahlt sich unsere ganze Arbeit wieder aus.“

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