“Ich bin das Ergebnis eines großangelegten Change-Projekts.”

Unsere Mobilmacher:in der Woche ist Dr. Susanne Haupt. Seit November 2021 ist die Ingenieurin in Duisburg für den Ausbau des ÖPNV verantwortlich. Für sie ganz wichtig: mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern und anders zu führen.

Seit November 2021ist Dr. Susanne Haupt für den Bereich Infrastrukturmanagement bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG (DVG) verantwortlich.

Als Hauptabteilungsleiterin ist sie für die Planung und Instandhaltung der kompletten Infrastruktur bei Bus und Bahn zuständig. “Damit bin ich u.a. für den barrierefreien Ausbau der Haltestellen in Duisburg und den Ausbau der Schienen verantwortlich. Des Weiteren hole ich Fördermittel ein und kann den Ausbau des ÖPNV in der Stadt so direkt beeinflussen.”


Job mit vielen Herausforderungen

Aktuell betreibt die DVG drei Straßenbahnlinien, eine Stadtbahnlinie und 43 Buslinien sowie 735 Haltestellen. Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre ist es, die Haltestellen nach dem §8 Abs. 3 Personenbeförderungsgesetz (PbefG) vollständig barrierefrei umzubauen. Hier seien aktuell die Aufzüge ein Problem, da die DVG diese zwar betreibe, aber die Finanzierung über die Stadt erfolge und es hierdurch zu Verzögerungen kommen könne. Auch seien schon aus baulichen Gründen nicht alle Bahnhöfe in der Höhe angleichbar.

Neben dem barrierefreien Zugang hat sich Haupt auch den allgemeinen Ausbau des ÖPNV in Duisburg auf die Fahnen geschrieben. Sie sagt: ”Mein langfristiges Ziel ist es, eine weitere Bahnlinie über den Rhein zu bauen, linksrheinisch haben wir noch eine ganze Menge Kunden-Potenzial.”


Ich komme ursprünglich aus Berlin und kann aus Erfahrung sagen: Ein richtig gut ausgebauter ÖPNV bedeutet mehr Lebensqualität für die Menschen in der Stadt. Vor allem für das Klima und die Verkehrswende ist ein attraktiver ÖPNV enorm wichtig.

Dr. Susanne Haupt, Hauptabteilungsleiterin Infrastrukturmanagement bei DVG



Haupt ist ursprünglich Kraftwerksbauerin. Sie hat Wirtschaftsingenieurswesen mit der Fachrichtung Elektrische Energietechnik an der TU Berlin studiert und zunächst beim Energiekonzern RWE gearbeitet. “Ich hab immer gedacht, dass das meins ist, bis ich 2003 zur Deutschen Bahn gekommen bin und seitdem für alle Themen des Verkehrswesen und der Mobilität brenne”, sagt sie. Das Thema Infrastruktur ziehe sich dagegen durch ihr gesamtes Berufsleben: egal, in welcher Industrie sie gearbeitet habe, ihr Job seien immer infrastrukturbezogen Themen wie Netze, Gleise und Baustellen gewesen.

Auch in Duisburg hat Haupt schon jahrelang gelebt und gearbeitet: unter anderem als Arbeitsgebietsleiterin Instandhaltung für die DB Netz AG. Zur Duisburger Verkehrsgesellschaft kam sie dann über einen Headhunter. Nach fast 20 Jahren im Bahnkonzern habe sie sich eine neue Herausforderung gewünscht.

“Ich habe mir gesagt: ich möchte wieder mehr operative Verantwortung haben – und da kam der Headhunter mit seinem Angebot für den Job bei der DVG gerade richtig.”



Mobilität ist bei mir eine späte Liebe, das kam erst nach meiner Promotion. Dafür brennt sie jetzt umso heißer.

Dr. Susanne Haupt, Hauptabteilungsleiterin Infrastrukturmanagement bei DVG



Schön an ihrem neuen Job sei, dass die Abteilungen, für die sie verantwortlich ist – Planung und Instandhaltung – eng zusammenarbeiten. “Ich finde das wichtig und gut”, so Haupt. “Die Planung bedingt doch die Instandhaltungskosten. Wenn die Planung anfangs zu günstig war, wird nach meiner Erfahrung nachher die Instandhaltung unnötig teuer und möglicherweise auch störungsintensiv.”


“Bei der DVG bin ich auch viel direkter in Gespräche mit den Stakeholdern involviert. Im Januar treffe ich den Duisburger Oberbürgermeister Sören Link, vor kurzem war ich bei einem Gespräch mit der Bezirksregierung und der Stadt Duisburg dabei”, erzählt Haupt. “Bei der Bahn gehen zu solchen Terminen nur die Vorstände, hier habe ich deutlich mehr Gestaltungsspielräume und kann mich aktiv wesentlich mehr einbringen.”


Neues Arbeiten bei der DVG

Umgestaltet wird bei den Duisburgern seit einiger Zeit im großen Stil – auch jenseits des Schienenausbaus. “Ich selbst bin das Ergebnis eines lang angelegten Change-Projekts des Konzerns”, sagt Haupt. Die DVG will binnen fünf Jahren ihre Strukturen, Abläufe und die Art zu arbeiten verändern. Hierarchieebenen sollen aufgebrochen und Prozesse verschlankt werden.


Ihr persönliches Ziel als Chefin sei es, anders zu führen, als es in der Branche lange üblich gewesen ist. Sie könne sich künftig auch vorstellen, in einigen Bereichen vermehrt agile Arbeitsweisen wie Kanban einzusetzen.


Haupt sagt: “Verkehrsunternehmen sind oft noch sehr hierarchisch aufgebaut: einer gibt den Ton an, die anderen führen aus. Aber es ist doch so: Je mehr ich die Leute mitnehme, motiviere und diese dann eigenständiger arbeiten, umso mehr kann ich mich um strategische Themen und Randbedingungen der Arbeiten kümmern.”


Fachkräftesuche bei der DVG

Im Zuge des Transformationsprozesses, den Haupt jetzt als Teil des Changeprojekt-Teams aktiv mitbegleitet, gehe es aber nicht nur um Arbeitsmethoden und das Auflösen von Hierarchieleveln. Es seien auch neue Stellen geschaffen worden. Diese zu besetzen, sei jedoch gar nicht so einfach. Stichwort Fachkräftemangel.

In ihrem Verantwortungsbereich arbeiten ausschließlich die gefragten Ingenieur:innen, so Haupt. Wobei gerade die Frauen in den Ingenieurwissenschaften extrem rar gesät seien. Diese dann auch noch für die Verkehrsbranche zu begeistern, sei eine gigantische Herausforderung.


Ich habe einen ganz tollen Beruf: ich wohne direkt an einer Stadtbahnhaltestelle und nutze den ÖPNV so oft es geht. Und immer, wenn da etwas gut läuft, denke ich mir: Daran warst du beteiligt. In meinem Job sehe ich, was mein Unternehmen, meine Organisation gemacht hat, das befriedigt ungemein.

Dr. Susanne Haupt, Hauptabteilungsleiterin Infrastrukturmanagement bei DVG


“Ich bekomme demnächst eine Ingenieurin direkt von der Uni, die wir schon während ihres gesamten Studiums begleitet haben”, erzählt Haupt. Weil das gut funktioniert habe, könne sie sich Kooperationen mit den Universitäten im Ruhrgebiet für die Zukunft gut vorstellen. “So bin ich übrigens auch Ingenieurin geworden: Bei einer Uni-Veranstaltung im Jahr 1988 zum Thema Frauen in den Ingenieurberufen habe ich diesen Beruf entdeckt und gedacht: Das ist spannend, das will ich auch machen.

Die Verkehrsunternehmen sollen weiblicher werden

Grundsätzlich sollen mehr Frauen bei der DVG arbeiten, auch die Führungsetagen sollen weiblicher werden. Susanne Haupt ist eine Ebene unterhalb des Vorstands angesiedelt. Der Frauenanteil in ihrer Hierarchieebene beträgt 50 Prozent. “Das ist in der Branche in Deutschland schon einmalig.” Insgesamt arbeiten bei der DVG über 130 Frauen, das entspricht einem Anteil von etwa 20 Prozent.



“Das Thema Gleichstellung ist hier angekommen und wird mit diversen Programmen vorangetrieben”, sagt Haupt. Auch sie wolle sich in ihrer Position aktiv für mehr Frauenförderung einsetzen. Der erste Schritt: “Im Unternehmen gibt es ein Frauenmentoring-Programm, bei dem ich mich in den nächsten Jahren auf alle Fälle als Mentorin zur Verfügung stellen werde.”

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