NRW ist Deutschlands Graffiti-Hotspot

Die Entfernung von Graffitis an Zügen und Bahnen kostet die Verkehrsunternehmen jedes Jahr Millionen. Anders als Flächen in Unterführungen oder an Bahnhöfen können Züge jedoch nicht einfach von professionellen Graffiti-Künstlern verschönert werden.

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Graffitis an Bahnhöfen, in Unterführungen und an Lärmschutzwänden gehören nahezu überall zum Stadtbild. Immer häufiger geben die Kommunen oder die Deutsche Bahn Flächen an Bahn- und Busbahnhöfen für professionelle Streetart-Künstler zum Besprayen frei: Graffiti-Kunst statt Schmierereien, hieß es zum Beispiel an den Bahnhöfen in Jüchen und Hochneukirch in NRW. Beide Stationen kamen in der Vergangenheit im Zustandsbericht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr nicht gut weg. Wegen der Graffitis. „Die Personenunterführung am Bahnhof in Hochneukirch wurde durch professionelle Graffitikünstler mit Motiven aus dem Jüchener Stadtgebiet, dem Haus Katz, einer Jüchener Kirche und dem Stadtwappen künstlerisch gestaltet“, sagt Peter Grein, Leiter des Bahnhofsmanagements. Und schon kommt der Bahnhof bei den Fahrgästen wieder gut an. Auch in Köln und Recklinghausen-Süd haben professionelle Sprayer beispielsweise Unterführungen künstlerisch gestaltet. Und auch jenseits von Rhein und Ruhr kommen offizielle, großflächige Graffitis gut an – und werden deshalb von den Gemeinden und diversen Förderprojekten finanziert. Das ist letztlich auch günstiger und umweltfreundlicher, als regelmäßig Gebäude von der Sprühfarbe zu befreien.


13 Millionen Euro Schaden durch Graffitis an Zügen

Nur bei S-Bahnen, Nahverkehrs- und Güterzügen rücken regelmäßig spezialisierte Reinigungsteams an und entfernen Graffitis. Beinahe täglich müssen Züge, U- und S-Bahnen in Deutschland in die Reinigung. 2019 hat allein die Deutsche Bahn 25.000 Fälle von Graffiti-Vandalismus an Fahrzeugen registriert. Die damit verbundenen Reinigungskosten belaufen sich auf 13 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für Sicherheitstechnik, spezielle Anti-Graffiti- Beschichtungen und Personalkosten für Sicherheitskräfte. "2018 waren die Zahlen ähnlich hoch. Geld, das die DB lieber zum Nutzen ihrer Kunden einsetzen würde", sagt eine Sprecherin.

Wenn der Lack irgendwann nicht mehr zu retten ist, geht es in die Lackiererei.

Eine Neulackierung dauert rund eine Woche und kostet ca. 100 Euro pro Quadratmeter. Eine komplette Lok neu zu lackieren, kostet laut Bahn bis zu 30.000 Euro.


In diesen Städten und Regionen wird am meisten gesprayt

NRW liegt bundesweit auf Platz eins in Sachen Graffitis an Zügen und Bahnen. Gefolgt von Baden-Württemberg und Berlin. Allein an den Bahnhöfen Nordrhein-Westfalens seien 2018 rund 2,8 Millionen Euro Schaden durch Vandalismus und Graffitis entstanden, sagte ein Sprecher der DB Regio. Zum Vergleich: Bei der BVG in Berlin sind im Jahr 2017 Kosten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro wegen Graffiti-Vandalismus angefallen. Bei der Berliner S-Bahn waren es im Jahr 2018 rund fünf Millionen Euro. Kosten für Ausfallzeiten sind da noch nicht eingepreist.


Die Verkehrsunternehmen versuchen, die Graffitis möglichst schnell von den Zügen zu entfernen. Bei der Bahn in der Regel binnen drei Tagen. Da hat zwei ganz Gründe: man will den Sprayern das Erfolgserlebnis vermiesen – und keine weiteren Sprayer animieren. Vor allem aber können Graffitis, die über den gesamten Waggon verteilt sind, wichtige Wagenkennzeichnungen oder Hinweistafeln überdecken. Das ist nicht nur für Fahrgäste unangenehm, es kann auch sicherheitsrelevant sein.

Hinzu kommt, dass sich Fahrgäste in Waggons, in denen alle Fenster übersprüht sind, nicht wohlfühlen. Gleiches gilt für beschmierte Unterführungen, Haltestellen und Bahnhöfe. Auch deshalb bietet die Bahn professionellen Künstlern legale Möglichkeiten zum Sprayen an. Fahrgäste begeistern statt verschrecken ist das Motto.


Täter:innen haften auch für Spätschäden

Alle anderen, die illegal Züge und Co besprühen, müssen mit einer Anzeige rechnen. 300 Sprayer:innen wurden 2019 laut Bahn der Polizei übergeben. "Sprayer können auch Jahre später haftbar gemacht werden. Das bedeutet: Auch wenn sie strafrechtlich unter das Jugendstrafrecht fallen und oft sogar ohne Strafe davonkommen, kann die Bahn den materiellen Schaden als zivilrechtliche Forderung über 30 Jahre im Nachhinein geltend machen. Beträge von oft vielen Tausend Euro können so noch Jahre später eingefordert werden, auch wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war oder kein Einkommen hatte", so die Sprecherin.


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