Was macht eine Fachbeirätin beim Bundesverband eMobilität?

Caroline Mayer ist die einzige Frau im Fachbeirat des Bundesverbands eMobilität. Das sollte sich ändern, sagt sie. Egal, ob in der Automobilindustrie oder im öffentlichen Nahverkehr: Die Elektromobilität braucht mehr Frauen, die sie gestalten. Im Gespräch mit uns hat Caroline verraten, was sie als Beirätin des BEM macht – und wie ihr Beirätin werden könnt.

Theodor Vasile auf Unsplash, Christian Bueltemann und Capri23auto auf Pixabay



Caroline Mayer ist für ihre Bachelorarbeit einem der größten Automobilhersteller der Welt auf den Schlips getreten. 2015 recherchierte sie für ihre Abschlussarbeit die verschiedenen Stakeholder in der Wertschöpfungskette der Elektromobilität in Deutschland, um eine ganzheitliche Marktanalyse darzustellen. „Mir war es zunächst für meine Abschlussarbeit wichtig, zu erfahren, wo Deutschland in Sachen Ladeinfrastruktur, Batterieforschung und Förderung steht“, erzählt sie. Die Akteure lud sie zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Elektromobilitätstage an die Technische Hochschule Ingolstadt ein.

Und die Eingeladenen kamen: von der Zulieferer-Industrie über Automobilhersteller, Zulassungsbehörden und kommunale Politik waren hochrangige Vertreter*innen zu Gast. Das alles geschah vor den Toren des Automobilherstellers AUDI. Das Unternehmen selbst hatte Caroline nicht eingeladen, weil sich die VW-Tochter nach dem Dieselskandal nur sehr langsam zur Elektromobilität bekannte.


„Wir brauchen Eure Visionen für die Elektromobilität!“

„Die Debatte war hitzig, aber konstruktiv und deckte wesentliche Lücken zu deutschen Leitanbieterschaft und Leitmarkt auf“, sagt Mayer über die Veranstaltung. Nach dem Event kam Kurt Sigl, der Präsident des Bundesverbandes eMobilität, der im Publikum saß und Ingolstädter ist, auf Caroline zu und bot ihr das Ehrenamt als Fachbeirätin an. „So begann mein Engagement beim BEM, das bis heute anhält.“



Außer ihr ist sonst keine Frau im Fachbeirat vertreten. Bei den Unternehmen sieht es da schon besser aus. „Es gibt viele Expertinnen aus der Verkehrs- und Mobilitätswende. Ich würde mich freuen, mehr von Ihnen als mutige Visionärinnen an unserer Seite zu haben“, sagt Mayer.


Der Bundesverband eMobilität (BEM) e.V beschäftigt sich – anders als klassische Automobilverbände – seit seiner Gründung damit, die Mobilität in Deutschland auf Basis Erneuerbarer Energien auf Elektromobilität umzustellen. Der Verband wurde 2009 gegründet. Er organisiert 300 Mitgliedsunternehmen, die ein jährliches Umsatzvolumen von über 100 Milliarden Euro verzeichnen und über eine Million Mitarbeiter weltweit beschäftigen.

Zu den Aufgaben des BEM gehört die aktive Vernetzung von Wirtschaftsakteuren für die Entwicklung nachhaltiger und intermodaler Mobilitätslösungen, die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau der eMobilität und die Durchsetzung von mehr Chancengleichheit bei der Umstellung auf emissionsarme Antriebskonzepte.


2015 Audi herausgefordert, 2021 für Audis nächstes Elektroauto zuständig

Neben ihrem ehrenamtlichen Einsatz für die Elektromobilität ist Mayer mittlerweile auch hauptberuflich für das Thema zuständig. Und zwar ausgerechnet bei Audi.

Nach ihrem Einstieg in den BEM vertiefte sich Mayer auch an der Uni ins Thema Elektromobilität und schrieb sich für den Master Automotive and Mobility Management ein. „Der damals junge Master hat im Gegensatz zum klassischen Wirtschaftsingenieurwesen die Schwerpunkte auf erneuerbare Energie, Innovationsmanagement, Mobilitätsmanagement und Elektromobilität“ gelegt, erzählt sie. „Je mehr ich mich mit den technologischen Innovationen der Mobilitätsformen von Morgen und den neuen Geschäftsmodellen befasste, desto mehr wuchs mein Wunsch, im Silicon Valley mein Skillset und Mindset zu erweitern: Mobility as a Service (MaaS), e-carsharing, Intermodalität, Ridehailing und automatisierte Mitfahrgelegenheiten waren 2016 absolut in.“

Also ging sie für ein paar Monate nach San Francisco und San Jose und machte bei Comtrade Digital Services wertvolle Erfahrungen.


„Ich bin ein echter Mobilitäts-Fan: Ich fahre lieber Fahrrad statt Auto, gehe gerne zu Fuß und nutze in Großstädten bzw. bei Dienstreisen sehr gern Sharingdienste.“

Ihre Masterarbeit schrieb sie anschließend im Innovationsmanagement der Audi AG, wo sie nun seit drei Jahren arbeitet. Seit Anfang 2021 ist sie im Projektmanagement der nächsten Premium Plattform Electric PPE tätig. „Ich bin Teil des Projekts Artemis. Der neue Audi Landjet soll auf der modularen Plattform aufsetzen. Das Fahrzeug wird in Sachen Design, Reichweite, Innenraum und Ökosystem das Flagschiff Audis sein. Ich bin jeden Tag stolz, Teil dieser Entwicklung zu sein.“


19 Arbeitsgruppen zu jeder Facette der Elektromobilität

Ihre Arbeit und Erfahrung beim BEM helfen ihr in ihrem Job, sagt Caroline. Direkte Überschneidungen gebe es zwar nicht, weil das Feld Elektromobilität dafür einfach zu groß sei. Ihre Lieblingsbereiche im BEM seien zum Beispiel Ladeinfrastruktur, Netzdienlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit. „Aber der BEM e.V. und ich profitieren gegenseitig mit Netzwerk und Wissen. Und über die Teilnahme an Arbeitsgruppen, Kongressen und Recherchen bleibt man immer über die aktuellen Entwicklungen von kleinen mit großen Herstellern up to date.“



Aktuell gibt es beim BEM 19 verschiedene Arbeitsgruppen: von Mikromobilität über Retrofitting, Autohäuser der Zukunft, eAviation bis zu ÖPNV und Big Data. Und in diesen Arbeitsgruppen – wie auch im Beirat des BEM – wünscht sie sich mehr weibliche Stimmen. „Die Arbeit des BEM findet Gehör in der Politik und bei den Unternehmen. Deshalb brauchen wir euren Input“, sagt Caroline. Ihre Arbeit als Fachbeirätin des BEM sei sehr vielseitig und könne von ihr – abhängig vom Thema und ihrer verfügbaren Freizeit - gestaltet werden. Alle zwei Monate findet eine Beiratssitzung statt, bei der die Mitglieder strategische und operative Themen und Events besprechen. „Darauf freue ich mich immer besonders, denn diese knapp zwei Stunden sind sehr konstruktiv, aber auch locker, da man sich kennt und jeder jeden in seinem Expertenfeld respektiert.“


So werdet ihr Fachbeirätin

Um mit Caroline Mayer im BEM nachhaltige Mobilitätslösungen zu entwickeln beziehungsweise voran zu treiben, müssen eMobilitäts-Expertinnen aber nicht erst einem Konzern auf die Zehen treten. Zum einen können sich Privatpersonen, Unternehmen, aber auch Vereine und Kommunen hier beim Verband selbst melden. Zum anderen können sich interessierte Frauen via LinkedIn direkt an Caroline wenden. „Ich freue mich auf jede einzelne von euch. Lasst uns die Welt mit unserem Beitrag ein Stück nachhaltiger und besser machen.“

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