„Wir brauchen Radwege, für die man nicht mutig sein muss“

Es ist wieder European Mobility-Week. Eine Woche vor der Bundestagswahl erobern deutschlandweit Fahrradinitiativen und Raddemos die Straßen. Darunter auch die Kidical Mass, die gestern wieder in Köln unterwegs war.


Foto: Kiddical Mass Köln


Im September 2020 demonstrierten mehr als 22.000 Kinder in ganz Deutschland für fahrrad- und kinderfreundliche Städte. Unter der Bezeichnung „Kidical Mass“ fuhren sie mit Rädern durch mehr als 100 Städte, um darauf aufmerksam zu machen, dass in vielen Metropolen Kinder bei der Verkehrsplanung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das Kidical Mass Aktionswochenende wollte darauf aufmerksam machen, dass sich ein großer Anteil der Bevölkerung – nicht nur in den Großstädten – fahrradfreundliche Infrastruktur wünscht.

Dafür wurde die Aktion mit dem Deutschen Fahrradpreis 2021 ausgezeichnet.

Seit 2017 gibt es die Kidical Mass auch in Deutschland. Die Kidical Mass hat die Vision, dass sich alle Kinder und Jugendliche sicher und selbständig mit dem Fahrrad bewegen können. Aktuell findet sie in Deutschland an 139 Orten statt und wird von 200 lokalen Initiativen unterstützt. Darunter unter anderem ADFC, Campact, Changing Cities, Deutsches Kinderhilfswerk, Greenpeace, RADKOMM und VCD.

Unter dem Motto „Kinder aufs Rad“ hat sich die Kidical Mass Köln am Sonntag wieder für eine kinderfreundliche Verkehrspolitik eingesetzt. Um 15 Uhr setzte sich die Fahrraddemonstration am Kölner Rudolfplatz in Bewegung und zog über die sonst von Autos dominierten Hauptstraßen bis zum Nippeser Tälchen.


Forderung: Sichere Infrastruktur für alle

„Es geht nicht darum, für die, die schon Rad fahren, ein paar kosmetische Verbesserungen umzusetzen, sondern um ein komplettes Umkrempeln unserer Verkehrsinfrastruktur und unseres Verständnisses für die Nutzung des Öffentlichen Raums“, erklärte Organisatorin Simone Kraus im Vorfeld der Aktion.

Sie sagt: „Vor allem brauchen wir Radwege, für die man nicht mutig sein muss. Wir wollen, dass Radfahren zum Alltag und für alle Generation sicher und bequem wird. Dafür müssen wir alte Denkmuster aufbrechen und eine Priorisierung für den Fuß- und Radverkehr bei der Flächenverteilung an erster Stelle stellen.“


Im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 finden sich aus Sicht der Kidical Mass schon einige gute Ansätze wieder. So zum Beispiel

· Anbindungen der Schulen an das Radverkehrsnetz

· Separate Radwege entlang der Hauptstraßen


Wie die Kommunen diese Infrastrukturprojekte finanzieren und umsetzen sollen, steht allerdings nicht im Plan.


Petition für kinderfreundliche Städte

Damit es nicht nur bei Sonntagsfahrten bleibt, reichten die Veranstalter*innen eine Petition mit den folgenden Forderungen ein:


1. Sichere Schulradwege-Netze in Köln bis 2030

2. Schulstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche vor Schulen und Kitas in Köln

3. Stetige jährliche Finanzierung mit konkreten Zielvorgaben an die Kommunen

4. Kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht, v.a.:

‣ Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts

‣ geschützte, breite Radwege an Hauptstraßen

‣ Spielstraßen

‣ Wohngebiete ohne Durchgangsverkehr

‣ Vision Zero (null Verkehrstote)


„Es wird höchste Zeit, dass wir den Kindern das zurückgeben, worauf sie seit Jahrzehnten verzichten müssen, sich selbständig und sicher, frei und unbeschwert in ihrer Umgebung bewegen zu können“, so Kraus.

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Und ihr Mitorganisator Steffen Brückner ergänzt: „Es gibt weltweit viele Best Practice Beispiele, die auch in unseren Kommunen realisiert werden können. Doch leider werden größtenteils noch heute Dinge geplant, die in anderen Ländern schon längst überholt sind. Würde ich mein Kind hier allein mit dem Rad fahren lassen? An dieser Frage müssen sich Kommunen und Planer:innen messen lassen."



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