“Die IAA will weg vom Auto”

Zum ersten Mal findet die IAA außerhalb Frankfurts statt. Mit dem Standortwechsel will sich die Automobilmesse auch ein jüngeres, diverses und umweltfreundliches Image geben. WiM ist seit 2015 auf der IAA vertreten und auch in München wieder vor Ort.


Fotos: IAA Presse


Am 7. September öffnet die Internationale Automobilausstellung (IAA) erstmals in München ihre Tore. Wegen der Corona-Pandemie findet die Veranstaltung hybrid, also sowohl digital als auch vor Ort, statt. Um Abstände einhalten zu können, verteilen sich die Ausstellungen über das Stadtgebiet: von der Messe München über den Wittelsbacherplatz bis zum Odeonsplatz. Eine sogenannte Blue Lane verbindet die Veranstaltungsorte. Die Blue Lane besteht aus mehreren Abschnitten: einem Radweg, der U-Bahnlinie U2 und einer Autospur für Elektro- und Hybridfahrzeuge.



IAA Mobility: Radverkehr, ÖPNV und E-Autos statt Boliden

“Die IAA bildet die Transformation einer ganzen Branche ab: Sie will ein Stück weit weg vom Auto hin zu einer Messe für sämtliche Mobilitätsformen”, sagt Mady Christ vom WiM Hub München. Gemeinsam mit anderen Frauen des Hub-Teams organisiert die Projektmanagerin beim ADAC neun Panels auf der diesjährigen IAA.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sagt über die IAA, die Messe werde „den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit breiten Raum einräumen“ und die „Weiterentwicklung des Automobils und die Vernetzung aller Verkehrsträger“ in den Vordergrund stellen. Autohersteller wie Toyota, GM und Stellantis bleiben in diesem Jahr der Messe fern, aber auch Tesla wird fehlen. Dafür sind ÖPNV-Anbieter und Fahrradhersteller vertreten.


Mady Christ (ADAC), Stephanie Scheller (bynd Consulting), Nadia Schaff (Pinsent Masons Germany), Annabelle Kliesing (PwC Strategy&), Marion Sardone (BMW) und Leonie Schaeff (Sixt) haben erst im Sommer 2020 die Organisation des Münchner WiM Hubs von ihren Vorgängerinnen übernommen.

Die Panels auf der IAA Mobility sind - neben der herCAREER - das erste große Projekt des Teams. “Die Organisator*innen der IAA sind auf WiM zugekommen”, sagt Christ. “Da haben wir direkt gesagt: Wir sind dabei und helfen mit, die Messe diverser zu gestalten.” Gemeinsam mit dem IAA-Team haben die Münchner WiM gebrainstormt, welche Themen WiM präsentieren will und welche Expert*innen auf den Podien sitzen sollten.



“Die IAA Panels divers zu besetzen, war gar nicht so leicht, weil unser Anspruch ist, nicht nur Mobilitätsexpert*innen aus Deutschland auf die Bühne zu bringen – wir wollen verschiedene Sichtweisen auf die Mobilität der Zukunft mit vielen unterschiedlichen Speaker*innen beleuchten.”

Mady Christ, WiM Hub München






Corona und Proteste: Zwei Unsicherheitsfaktoren bleiben

Bei aller Vorfreude auf die Veranstaltung: Die Organisation der IAA wie auch der WiM-Panels war und ist coronabedingt kräftezehrend und nervenaufreibend.

“Als es noch hieß, Wenn das Oktoberfest fällt, fällt auch die IAA, haben wir alle mit einer rein digitalen Veranstaltung gerechnet und entsprechend geplant”, so Christ. So sollte ursprünglich eine Gründerin aus Südafrika, die in ihrer Heimatstadt Frauentaxis etabliert hat, über ihr Geschäftsmodell sprechen. “Wir haben dann noch mal komplett umgeplant und auch jetzt sagen Redner*innen für Präsenzvorträge noch ab. Zum Glück ist die IAA Mobility da flexibel, so dass hybride Panel möglich sein werden”, berichtet Christ. Doch nun steht das Programm und das WiM Team ist gespannt auf viele Begegnungen mit Mitgliedern aus dem Netzwerk – und auf neue Impulse der Speaker*innen auf der Messe.


“Wir stellen jetzt neun Panels, sowohl live vor Ort in München als auch digital für die virtuelle IAA; darunter sind auch viele all female-Panel”, sagt Christ. “Besonders spannend ist dabei, dass wir ganz gezielt Vertreter*innen verschiedener Mobilitätsanbieter an einen Tisch holen, um den Austausch zu fördern und gemeinsam eine zukünftige Mobilitätslösung zu beleuchten, die ganzheitlich, nachhaltig und flexibel anbietet, was der Konsument im Alltag benötigt“ ergänzt Leonie Schaeff vom WiM Hub München.


IAA musste sich verändern

Tatsächlich musste sich die IAA dem Zeitgeist anpassen: die Autoschau von Männern für Männer lockte immer weniger Besucher nach Frankfurt: Im Jahr 2015, dem ersten Jahr, als auch Women in Mobility mit einem Stand auf der Messe vertreten waren, kamen noch gut 900.000 Besucher. 2019 waren es schon nur noch 560.000 Gäste.

Außerdem drohen erneut Proteste gegen die Messe: Die Aktion „Sand im Getriebe“ plant ein „Protestcamp“ für 1.500 Teilnehmer unter dem Motto #blockIAA. In den Jahren zuvor hatten Demonstranten in Frankfurt regelmäßig die Eingänge zum Messegelände blockiert und versucht, Gäste am Besuch der IAA zu hindern. Wegen der verschiedenen Veranstaltungsorte bietet die diesjährige IAA nun deutlich mehr Raum für öffentlichkeitswirksame Auftritte.


Für die Women in Mobility ist die Entwicklung der IAA bisher positiv: 2015 stand WiM-Mitgründerin Sophia von Berg noch sehr verloren an einem WiM Infostand auf der Frankfurter IAA und wurde größtenteils ignoriert. Diversity und nachhaltige Mobilität waren keine Themen, für die sich Autofans begeisterten.

2019 bespielten die WiM bereits einen eigenen Bereich in der New Mobility World Halle der IAA mit Speaker*innen wie Shwetha Surender, Head of New Mobility & Smart Cities beim US-Beratungsunternehmen Frost Sullivan oder Katarzyna Seidl und Lucia Todaro von Google.


In diesem Jahr hoffen die Women in Mobility, mit ihren neun Sessions ein großes Publikum zu erreichen und die Diskussionen um die Mobilität der Zukunft um diverse Perspektiven zu ergänzen.



Das sind die WiM-Panels auf der IAA 2021


  1. All-Female-Panel“Women and Security in Public Spaces”: Belästigung und Unsicherheit sind für viele Frauen ein großes Problem, wenn sie im städtischen Raum unterwegs sind. Jede dritte Frau wurde beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel bereits Opfer oder Zeugin von Belästigungen. In dieser Session wird aufgezeigt, warum ein langfristiger und radikaler Wandel dringend erforderlich ist.

  2. Panel “ Futury presents „The Mission: Urban Mobility“: Langjährige Expertise und Berufserfahrung ist nicht unbedingt der Schlüssel, um ein Unternehmen voranzubringen – es braucht auch neue Perspektiven und frische Ideen, um den Status quo zu hinterfragen. Nehmen Sie an unserer Podiumsdiskussion teil, um mehr über innovative Zusammenarbeit zu erfahren und hören Sie junge Talente, die gemeinsam mit SEAT und anderen Partnern an innovativen und nachhaltigen Mobilitätslösungen arbeiten.

  3. All-Female-Panel “Curbside Management: Orchestration of mobility offers in public space”: Curbside Management greift eine der drängendsten Fragen der urbanen Mobilität auf: Wir brauchen eine aktive, intelligente Nutzungsgestaltung des öffentlichen Raums für unterschiedlichste Angebote und Bedürfnisse. Eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, unterstützt durch digitale Dienste, kann ein Schlüssel zur Gestaltung lebenswerterer urbaner Räume der Zukunft sein.

  4. Panel “Would Bertha Benz drive an Apple car?” Seit Bertha Benz vor über 130 Jahren die erste längere Automobil-Testfahrt erfolgreich durchführte, hat sich in der Automobilindustrie sowohl aus technologischer Sicht als auch aus der Kundenperspektive viel verändert. In dieser Paneldiskussion wird am Beispiel der Fahrzeugforschung beleuchtet, welche Rolle der Perspektivwechsel spielt und zu welchen Innovationen er in der Vergangenheit, gegenwärtig und in der Zukunft führt.

  5. All-female Panel “ Let's revolutionize Rural Mobility - from empty bus lines to on demand transport”: Die Nachfrage nach neuen Mobilitätslösungen ist groß und es wird immer dringlicher, die Abhängigkeit von privaten Fahrzeugen zu verringern. In dieser Diskussionsrunde sollen die Unterschiede zwischen städtischer und ländlicher Mobilität verdeutlicht und daraus Erfolgsfaktoren für neue revolutionäre Lösungen für die ländliche Mobilität abgeleitet werden.

  6. Panel “Towards #nodangerzones – three holistic approaches that will revolutionize traffic safety and crash prevention”: Von der Unfallforschung über die Prävention bis hin zur sicheren Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur werden mit verschiedenen Expert*innen neue Ansätze diskutiert, die Anzahl an Verkehrstoten und Schwerverletzten weiter zu minimieren.

  7. All-female-Key Note “Autonomes Fahren”: Autonomes Fahren wird die Zukunft der Mobilität drastisch verändern und großen Einfluss auf unser soziales Verhalten haben. In dieser Keynote werden die Legalitäten beleuchtet, die zukünftig gegeben sein müssen, um autonome Fahrzeuge auf die Straßen von Deutschland, den USA und China zu bringen.

  8. All-Female-Panel “Urban Mobility 2030 – The future is collaborative”: Für die Entwicklung neuer inspirierender Konzepte für das städtische Leben im Wandel sind Kooperation und Partizipation von Nöten. Was dies bedeutet und wie dies möglich ist, werden Vertreterinnen verschiedener Mobilitätsanbieter und Stadtplaner diskutieren. Wie werden sich Räume verändern, welches Maß an und welche Form von Mobilität werden in Zukunft notwendig sein und welche Akteure sind gefragt? Studien, fundierte Expertenmeinungen und Forschungsergebnisse ermöglichen einen Blick "von oben.

  9. All-female-Panel zur Hyperloop-Technologie: Schnellere und nachhaltigere Mobilität in Europa? Dieses Panel behandelt die neue gesellschaftliche Nachfrage nach schneller und dabei umweltfreundlicher Mobilität und diskutiert, wie das Hyperloop-Konzept zu einem neuen Stand der Technik führen könnte.





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