“Wir wollen Kommunen dabei unterstützen, Neues zu schaffen.”

2022 stellen wir Euch hier im Blog unter der Kategorie “Mobilmacher:in” jede Woche Personen vor, die euch bewegen und sich für eine bessere, fairere und nachhaltigere Mobilität beziehungsweise attraktivere Arbeitsbedingungen innerhalb der Branche einsetzen. Der erste Titel “Mobilmacher:in der Woche” geht an Carolin Herdtle und Julia Käfer von der Baden-Württemberger Open Data-Plattform MobiData-BW.

Team “Mobilitätsdaten und Innovationen“ von MobiData-BW: Carolin Herdtle, Clemens Behr, Julia Käfer, Markus Jackenkroll, Monika Burkard (v.l.n.r.), Teil des Teams, aber nicht im Bild: Florian Stratz und Abdullahi Fatola.


Was haben Mobilitätsdaten wie die Auslastung der Parkhäuser in der Innenstadt oder die Bustaktung abends im Speckgürtel, mit CO2-Emissionen zu tun? „Eine ganze Menge“, sagt Julia Käfer, Partnermanagerin im Team “Mobilitätsdaten und Innovationen“ von MobiData-BW. “Mobilitätsdaten helfen, intermodale Wegeketten zu finden, die Infrastruktur effizient zu nutzen und passgenaue Mobilitätslösungen zu wählen.”

Wer weiß, wann welches Verkehrsmittel verfügbar ist und die Angebote entsprechend nutzen kann, ist weniger stark auf das eigene auf ein Auto angewiesen - auch im ländlichen Raum. Je weniger einzelne Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind, desto besser ist das für’s Klima, weil weniger CO2 ausgestoßen wird. Und ohne eine Verringerung des CO2-Ausstoßes lassen sich die Klimaziele nicht erreichen.

Deshalb helfen Open Data-Plattformen wie MobiData BW Kommunen, Unternehmen und Privatleuten durch die niederschwellige Bereitstellung von Mobilitätsdaten dabei, eine umweltfreundlichere Mobilität anzubieten beziehungsweise zu nutzen. “Wenn ich überlege, wie ich von A nach B komme und ich weiß, dass es am Bahnhof abschließbare Fahrradboxen gibt, in denen mein Fahrrad sicher ist, nutze ich eher Rad und Bahn als das Auto”, erklärt Carolin Herdtle, Innovationsmanagerin bei MobiData BW. Auch für andere (Teil-)Wegeketten, z. B. Mitfahrgelegenheiten, seien Mobilitätsdaten relevant.

Aber nicht nur über Ridesharing und Ridepooling kann eine gute Datenlage dazu beitragen, die Nutzung des privaten PKW stadtverträglicher zu machen. Käfer, ergänzt: “Jemand, der weiß, wo er einen Parkplatz findet, fährt nicht suchend durch die Stadt. Ein auf Echtzeitdaten basierendes Parkleitsystem kann also helfen, die Luftbelastung in der Innenstadt zu reduzieren.”


Transparente Mobilitätsdaten als Entscheidungsgrundlage für Stadt und Land

“Das Thema Mobilitätsdaten ist für alle wichtig: für Stadtplaner:innen, für die Menschen, die Fahrpläne abstimmen, für Logistiker:innen, aber auch für die Bevölkerung: Nur wenn wir die Daten, die an den unterschiedlichen Stellen in der Kommune, bei Mobilitätsanbietern oder bspw. touristischen Akteuren liegen, offen legen und miteinander verknüpfen, können wir dazu beitragen, unsere Klimaziele auch erreichen, indem wir kommunale Planung verbessern und intermodale Wegeketten erleichtern”, so Käfer.


Bildquelle: digital-bw.de, Magazin ElfNullEins, Januarausgabe 2021




Weil es auch in der Mobilität keine Lösungen gibt, die für alle gleichermaßen passen, ist es wichtig, dass eine möglichst große Datenmenge für alle Teilnehmenden im Markt transparent und zugänglich ist. Kommunen haben dabei eine besondere Rolle.

“Stadt und Land haben unterschiedliche Bedürfnisse und die lokale Ebene weiß am besten, was für sie relevant und umsetzbar ist. Die dafür notwendigen Daten stellt MobiData BW zur Verfügung”, sagt Käfer.

 

MobiData BW ist eine von der NVBW - Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH betriebene Open Data-Plattform, die kosten- und diskriminierungsfrei Daten und Dienste rund um Mobilität in Baden-Württemberg zur Verfügung stellt. Dazu gehören unter anderem Soll- und Echtzeitfahrplandaten und Haltestelleninformationen aus allen 21 Nahverkehrsverbünden, Parkrauminformationen genauso wie barrierefreie Zugänge zu Haltestellen sowie Fahrzeugstandorte und -verfügbarkeiten von Carsharing- und Leihfahrrad-Anbietern. Die Datenbasis soll stetig ausgebaut werden. In Zukunft soll noch ein frei verfügbarer Routingdienst mit Echtzeitinformationen zu Staus und Verspätungen hinzukommen.

Dafür wurde MobiData BW am 15. November in der Frankfurter Paulskirche mit dem Innovationspreis der deutschen Mobilitätswirtschaft ausgezeichnet.

Dass Mobilitätsdaten kein Nischenthema ist, zeigt auch die Verleihung eines Verwaltungspreises: Im September ist die NVBW für die Konzeption und Umsetzung von MobiData BW im Rahmen des 20. bundesweiten eGovernment-Wettbewerbes auch als „Bestes Digitalisierungsprojekt – Bund/ Länder/ Kommunen 2021“ ausgezeichnet worden. Die Plattform ist seit September 2020 live.


Foto: Carolin Herdtle und Julia Käfer beim „Innovationspreis der deutschen Mobilitätswirtschaft“

 

Käfer ist seit Sommer 2020 als Partnermanagerin dabei, ihre Kollegin Herdtle ist als Innovationsmanagerin seit 2019 für die Integration der Daten in Anwendungen, Forschung und Förderprojekte zuständig. Herdtle ist Soziologin und war zuvor in der transdisziplinären Forschung zu Mobilitätsthemen und der Gestaltung von Dialog- und Beteiligungsprozessen tätig. Zu MobiData BW ging sie, weil sie das Zusammenspiel der unterschiedlichen Interessen und beteiligten Akteure gereizt hat. Auch die Bereitstellung und Anwendung von Mobilitätsdaten und die daraus entstehenden neuen Formen von Governance findet sie spannend.

Ihre Kollegin Julia Käfer ist Politikwissenschaftlerin schätzt bei Mobi Data vor allem die Sensibilisierung der (kommunalen) Akteure für die Öffnung mobilitätsrelevanter Daten und die Netzwerkarbeit in den verschiedenen Gremien - auch auf Bundesebene.

Die NVBW, die die Plattform im Auftrag des Ministeriums betreibt, ist 1996 mit dem Ziel gegründet worden, das Ministerium für Verkehr als Aufgabenträger für den Schienenpersonenverkehr (SPNV) zu unterstützen. Entsprechend kamen viele Daten zunächst von den 21 Verkehrsverbünden im Land sowie der Deutschen Bahn. “Aber wir veröffentlichen auch Daten wie bzw. planen die Veröffentlichung von:


● freie Parkplätze

● wie hoch ist die Auslastung von PKW - also: wie viele Leute sitzen denn in den Autos?

● barrierefreie Zugänge zu Bahnhöfen und Haltestellen

● die Unfallstatistik

● Gefahrenstellen

● Mitfahrgelegenheiten

● die Bodensee-Schifffahrtsdaten

● die Seilbahndaten

● Standorte und Verfügbarkeit von Sharing-Angeboten

● Radabstellanlagen",


zählt Herdtle auf.


Manche der Organisationen und Unternehmen, die Daten liefern, stellen sie MobiData BW direkt per Schnittstelle zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützen Carolin, Julia und ihr Team Kommunen und Unternehmen dabei, die Daten in eigene Anwendungen zu integrieren und durch die „MobiData BW-Toolbox Digitale Mobilität“ auch Praxisbeispiele für Daten und Anwendungen zu finden.


Wir erleichtern allen Parteien den Zugang zu den für sie relevanten Daten – Routing-Entwickler:innen, Forschungseinrichtungen genauso wie App-Entwickler:innen. Am stärksten, arbeiten wir aber im Momentmit den Kommunen zusammen, um Mobilitätsdaten lokal zu erschließen und über das Open-Data-Portal verfügbar zu machen.

Carolin Herdtle


Auch citizen science ist ein Weg, wie Kommunen an die Daten gelangen können: Dabei stellen Bürger:innen ihren Kommunen zum Beispiel mit dem open bike-Sensor, beim Stadtradeln oder auch mit der Dashcam Daten zur Verfügung, damit sie ein besseres Angebot schaffen können.

Das Team um Käfer und Herdtle stellt aber nicht nur Daten bereit.


Hilfe zur Selbsthilfe für Kommunen

Sie begleiten und beraten die Kommunen auch bei ihren datengetriebenen Mobilitätsprojekten. Sie vernetzen die Kommunen untereinander, aktivieren, bringen das Thema offener Mobilitätsdaten in Netzwerke ein und halten Kontakt mit der Community, halten Vorträge und leisten Hilfe zur Selbsthilfe, wie Käfer erläutert.


“Wir begleiten Use Cases und kommunale Anwendungsfälle auf Mobilitätsdatenbasis; und bauen mit unseren Ansprechpartner:innen digitale Kompetenzen zum Thema Datenmanagement mit auf und sind Ansprechpartner:innen für die Kommunen.”

Julia Käfer


Und Herdtle ergänzt: “Wir treiben die Digitalisierung voran und stoßen Innovationsprozesse an.” So gibt es einige kommunale Leuchtturmprojekte in Baden-Württemberg, die mit Hilfe von MobiData BW entstanden sind.


MobiData BW als kommunaler Umsetzungspartner

Das Projekt MobiWert aus Neckarsulm, das im Rahmen der Landesförderung InKoMo 4.0 vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration BW gefördert wird, ist zum Beispiel ein Anwendungsfall für Mobilitätsdaten im kommunalen Umfeld: Hier werden (Echtzeit-)Informationen zu den Mobilitätsangeboten wie Raumobil, Smart Mobility Map mit einem Baustelleninformationssystem aber auch Hochwasserwarnungen kombiniert. MobiData BW fungiert als Datenplattform im Hintergrund für die Smart Mobility Map vor Ort. Auch das Stadtnavi in Herrenberg, bei dem sich Bürger:innen auf einer Karte unter anderem Routinginformationen, Standorte und Öffnungszeiten anzeigen lassen, basiert zum Teil auf Daten der Open-Data-Plattform. Das Konzept Stadtnavi wird jetzt auch in anderen Kommunen ausprobiert.


Auch eigene Open-Innovation-Prozesse, wie der MobiData BW Hackathon des baden-württembergischen Verkehrsministeriumshaben einige erfolgreiche Projekte hervorgebracht:

Darüber hinaus hat das Team von MobiData BW gemeinsam mit 20 kommunalen Vertreter*innen und Expertinnen des Fraunhofer IAO im Rahmen des Innovationsnetzwerks MaaS@bw einen Handlungsleitfaden herausgegeben, der andere Kommunen aktivieren und anleiten soll. “Wir sehen uns als Hebel für die Kommunen und zeigen auf, was alles möglich ist”, so Käfer.

In der Studie werden digital gestützte Mobilitätsangebote beschrieben, die in Baden-Württemberg umgesetzt worden sind. Neben stadtnavi und MobiWert zum Beispiel die vom KVV in Karlsruhe betriebene Mobilitätsplattform regiomove oder das Ulmer Projekt OpenBike, in dem eine Open-Source-Software für Fahrrad-Verleihsysteme getestet wird.


Kommunale Förderung für Datenprojekte

Weil auch das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg datengetriebene Mobilitätslösungen und -projekte unterstützt, hat es eine Kommunenförderung für die Erschließung offener Mobilitätsdaten ins Leben gerufen.

Die Förderlinie ermöglicht hierfür den weiteren Ausbau der LÄNDesplattform für Mobilitätsdaten MobiData BW, die als Portal für Daten und digitale Dienste aus den Bereichen ÖPNV-Fahrplan, Radnetz, Sharing-Dienste und Parkraum kostenfrei und transparent für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Hierbei ist es besonders wichtig, auch die Kommunalverwaltungen, lokale Mobilitätsdienstleister und Parkraumbetreiber vor Ort einzubinden”, heißt es beim Ministerium.


Käfer sagt: “Weil es MobiData BW und die Förderrichtlinien gibt, werden Daten im auf Landesebene verknüpft. Wir machen quasi Marketing für Mobilitätsdaten.”


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