Dashbike: mehr Sicherheit für Radfahrende

Am 17. November ist Lelia Koenig mit dem Digital Female Leader Award in der Kategorie #Mobility ausgezeichnet worden. Mit dem #MobilityMonday hat sie über ihr Startup Dashfactory, Sicherheit für Radfahrende und ihr Projekt Dashbike gesprochen.


Fotos: Dashfactory


Lelia Koenig hat Mitte November den Digital Female Leader Award in der Kategorie Mobility erhalten. Übergeben von Vertreterinnen der Deutschen Bahn. Wer sie nominiert hat, weiß sie noch immer nicht. “Als die Nachricht kam, dass ich unter den Top 3 bin, hab ich noch gedacht “Damit kann man gut werben”, aber ich war mir sicher, dass eine von den anderen beiden gewinnt.”


Bis sich dann die Global Digital Women bei Lelia meldeten, ihr gratulierten und die Deutsche Bahn ankündigte, zum Dreh vorbei zu kommen.

“Am Anfang war ich gar nicht nervös. Dann hat mir mein Vater am Abend eine Whatsapp geschrieben, dass er sehr stolz auf mich ist, dass jemand von der Deutschen Bahn vorbei kommt und mir einen Preis überreicht. Danach konnte ich dann nicht mehr schlafen.”


Ausgezeichnet wurde Lelia für ihre Arbeit bei ihrem Startup Dashfactory und dem Produkt Dashbike. Eine Kamera für Radfahrende mit einem Tag- und Nachtfahrlicht misst automatisch den Abstand überholender Fahrzeuge zum Radfahrenden und sichert Daten wie Ort, Datum und Uhrzeit. Gleichzeitig zeichnet sie Fahrten auf, hat eine Sturzerkennung und eine Bremslichtfunktion.

Die Kamera speichert automatisch die GPS-Daten von gefährliche Stellen, also immer dann, wenn der Abstands- oder Beschleunigungssensor „ausgelöst“ wurden. In der Dashbike-App kann der User seine Routen markieren, die Videos von brenzligen Situationen herunterladen oder auf Wunsch die aufgezeichneten GPS-Daten anonymisiert seiner Kommune zur Verfügung stellen, damit die daraufhin die Radinfrastruktur verbessern kann.


Unser Ziel ist es, den Radverkehr sicherer zu machen. Während die Zahl der Verkehrstoten bei Autounfällen in Städten bei null liegt, ist die der Radfahrenden in den letzten Jahren um rund 20 Prozent gestiegen.

Lelia Koenig



Die Idee sei schon 2018 entstanden, als eine Freundin von Lelia auf dem Rad von einem Bus angefahren und sehr schwer verletzt wurde. Trotz Aussagen der Fahrgäste im Bus kämpft diese Freundin heute noch um Schadenersatz.


 

Im Jahr 2019 verunglückten in Deutschland mehr als 87.200 Menschen mit einem Fahrrad oder Pedelec. 563 davon starben an den Folgen des Unfalls. Zwar geht die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland allgemein seit Jahren zurück. Bei den Rad- und Pedelec-Fahrenden ist die Entwicklung jedoch gegenteilig. Jede:r fünfte Verletzte und jede:r achte Verkehrstote in Deutschland war auf einem Fahrrad oder einem Pedelec unterwegs. Kinder unter 14 Jahren und ältere Menschen jenseits der 65 sind die häufigsten Unfallopfer.


Quelle: Statistisches Bundesamt, Kraftrad- und Fahrradunfälle im Straßenverkehr 2019


Bei mehr als 75 Prozent der Fahrradunfälle ist der Unfallgegner ein Auto. Und bei den meisten Unfällen ist der Fahrer oder die Fahrerin des PKW (bzw. LKW) verantwortlich für den Unfall, wie es im Bericht des Statistischen Bundesamtes heißt: “Bei Unfällen mit einem Pkw war der Radfahrer nur zu 23,4 % und bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen nur zu 18,8 % der Hauptverursacher des Unfalls.”

Die meisten Unfälle geschehen, wenn Autos abbiegen und dabei den Radverkehr missachten bzw. übersehen. Auch sich plötzlich öffnende Autotüren, parken bzw. fahren auf dem Radweg und riskantes Überholen gehören zu den Unfallursachen.

 

Auch Mountainbike-Fahrerin Koenig selbst hat schon einige brenzlige Situationen im Straßenverkehr erlebt. Ihr Lebensgefährte Sandro Beck ist auch zeitglich ihr Mitgründer; beide sind professionelle Radfahrende und hatten wegen gefährlicher Situationen mehrmals überlegt, sich eine Gopro-Kamera zu kaufen, um im Zweifelsfall wenigstens ein Beweismittel zu haben.

“Sandro hat damals noch Jura studiert und wusste: Eine permanente Aufzeichnung wie bei einer Gopro ist nicht erlaubt und kann vor Gericht nicht verwertet werden.”


Damit war die Idee für die Dashfactory GmbH geboren: sie brauchten eine Kamera für Radfahrende, die datenschutzkonform und rechtssicher Beweise bei einem Unfall mit einem PKW oder sonstigen Kraftfahrzeug sichert. Und die Daten, wo es in Städten häufig brenzlig wird, an die Kommunen verkauft.


“Wir hatten beide keine Unternehmerfamilien im Rücken, kein Kapital und keine Ahnung, wir haben ja beide noch studiert”, erzählt Koenig. Über eine Facebook-Anzeige wurden die beiden auf einen Gründerwettbewerb in Jena aufmerksam, bei dem sie ihre Idee präsentierten und die entsprechende Beratung in Sachen pitchen und Gründung erhielten.

 

Dashbike: ausgezeichnete Idee

  • "Best of Mitteldeutschland"

  • Sieger des Gründungsideenwettbewerbs der Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • Preisträger bei der Technology-Fight-Night

  • Preisträger "Innovative Gründungsideen" des Thüringer Existenzgründerzentrums.

 

“Dort ist auch der Kontakt zu bm-t, dem Beteiligungsmanagement Thüringen, entstanden, die uns noch ein Jahr lang bis zur Gründung begleitet haben.” Mittlerweile ist auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Thüringen als Investor an Bord. Etwa 900.000 Euro haben die - sowie ein Onkel von Lelia - bereits in das junge Unternehmen investiert.

Weitere 94.000 Euro für die Produktion der ersten Kameras konnte das Startup auf der Crowdfunding-Plattform indigogo einsammeln.


Stadt Leipzig ist bereits Kooperationspartner

Damit die Aufzeichnungen der Kameras im Zweifelsfall auch vor Gericht Bestand haben, hat Lelia eng mit einer Erfurter Kanzlei zusammengearbeitet und ein entsprechendes Gutachten erstellen lassen.

”Wir zeichnen zwar permanent auf, aber wir speichern die Videosequenzen nur, wenn der Abstand von 1,5 Metern unterschritten wird oder es zum Crash kommt. Alle anderen Daten werden wieder überschrieben.” Das macht Dashbike datenschutzkonform und sorgt dafür, dass die Daten und Aufzeichnungen vor Gericht als Beweismittel Bestand haben. “Das haben wir uns in einem Rechtsgutachten bestätigen lassen.”


Was als Familien-Projekt aus Lelia und Sandro, Sandros Bruder und Lelias Onkel begann, ist mittlerweile ein 13-köpfiges Unternehmen geworden, das die ersten 450 Kameras via Kickstarter verkauft und an Testfahrende versendet hat. Außerdem werden im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der TU Dresden und der Stadt Leipzig 250 Kameras an Testfahrende ausgegeben.



“Die nächsten Kameras werden im Dezember verschickt und die übernächste Charge geht im März raus”, sagt sie. Je mehr Kameras unterwegs sind, desto mehr Daten haben auch die Kommunen zur Verfügung, um Radwegeinfrastrukturen zu verbessern.

Im Frühjahr 2022 beginnt die erste Sensordatenauswertung in Kooperation mit der Stadt Leipzig. Der aktuelle Chipkarten-Mangel verlangsamt auch bei Dashfactory die Produktion, dennoch sollen schnell weitere Städte folgen.





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