Wo stehen wir in Sachen Elektromobilität?

Aktuell boomen Elektroautos wie nie. Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Jahr 2011 angekündigt, dass bis zum Jahr 2020 mehr als eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Wir wollten wissen: Wie nah sind wir an diesem Ziel?


In Deutschland waren im Januar 2021 rund 48,25 Millionen PKW angemeldet. Das ist der höchste Stand aller Zeiten. Gerade in den vergangenen drei Jahren haben sich immer mehr Menschen ein Auto gekauft.


Mehr als eine Million dieser Fahrzeuge sollten einen Elektromotor haben. Das hat zumindest Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Jahr 2011 angekündigt. Damals sagte sie, sie sei trotz aller Probleme optimistisch, das Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 zu erreichen. Deutschland werde in Sachen Elektromobilität "schon verlorenes Terrain sehr schnell wieder aufholen". Für diese Aussage ist sie damals - auch von der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) - stark kritisiert worden. Zu teuer seien Elektroautos, die Reichweiten zu gering, die Ladeinfrastruktur nicht ausreichend ausgebaut.

 

Ganz klar: Mehr Autos können nicht die Lösung sein - unabhängig von der Antriebstechnologie. Auch ein Elektroauto wird produziert, verbraucht dabei sehr viele Ressourcen und nimmt in der Stadt anderen Raum weg. Auch ein Elektroauto kann Menschen verletzen oder töten und einen Stau produzieren. Ein Elektroauto, das in der Innenstadt die Straßen verstopft, macht aber zumindest keinen Lärm und erhöht die Schadstoffbelastung nicht.

Deshalb sind über die Clean Vehicle Directive der EU auch Stadtwerke, Verkehrsunternehmen und Entsorgungsbetriebe verpflichtet, ihre Flotte zu elektrifizieren oder anderweitig auf nachhaltige(re) Antriebstechnologien umzustellen. Das Motto: Wenn es schon ein Fahrzeug sein muss, dann ein sauberes.

 

Dann wurde der Kauf von reinen Elektroautos (BEV) sowie der von Hybridfahrzeugen (PHEV) staatlich gefördert. Wer sich ein BEV kauft, erhält vom Staat bis zu 9000 Euro Zuschuss. Plug-in-Hybride erhalten eine Förderung von bis zu 6750 Euro. Auch für die Montage von Ladeboxen auf Privatgrundstücken gibt es von der KfW-Bank einen Zuschuss von bis zu 900 Euro. Seit dem steigt die Zahl der Elektroautos in Deutschland: Laut Kraftfahrt-Bundesamt gibt es per Heute mehr als 365.000 reine Elektroautos in Deutschland. Zum Vergleich: 2011 waren es nur etwa 2.300 BEV.


Damit stieg ihr Anteil am gesamten Fahrzeugmarkt in Deutschland 2021 bei circa 1,22 Prozent. Bei den Neuzulassungen machen Elektrofahrzeuge 6,7 (BEV) bzw. 6,9 (PHEV) Prozent aus. Das ist eine deutliche Entwicklung.


China bei Elektroautos weltweit führend


Eine Gemeinschaftsstudie vom Center of Automotive Management (CAM) und den Marktforschern von YouGov schaut noch etwas genauer - und globaler - hin. ”Das globale Marktwachstum der Elektromobilität setzt sich trotz der Halbleiter-Krise dynamisch fort”, heißt es in “Electric Car MARKET & INNOVATION Report 2021”.

China hat den Anteil an Elektrofahrzeugen seit dem vergangenen Jahr verdreifacht und kommt nun auf 1,7 Millionen reine Elektro-Pkw und 370.000 Plug-in Hybriden. Damit haben Fahrzeuge mit Elektroantrieb in China einen Marktanteil von 13 Prozent. Das macht das Land zum weltweit größten Markt für Elektrofahrzeuge.


In Europa liegt der Anteil an Elektroautos insgesamt bei 19 Prozent (800.000 BEVs und 780.000 PHEVs), in den USA sind es vier Prozent (320.000 BEVs und rund 110.000 PHEVs).

Plug-in-Hybride, also Autos, die mit Diesel betankt werden, aber zusätzlich einen Elektromotor haben, sind laut dem Bericht ein “vorwiegend europäisches Phänomen”, das auf unserem Kontinent rund 50 Prozent der Neuzulassungen ausmache.


Auch in Deutschland sind Plug-i-Hybride sehr beliebt. Ein Großteil kommt in Dienstwagen-Flotten zum Einsatz. Das Problem: weil die Fahrzeuge gleich zwei Motoren haben, sind sie schwerer und verbrauchen mehr Diesel, emittieren also auch mehr.

Und: Das Ladekabel bleibt oft unbenutzt im Kofferraum. Das belegt eine gemeinsame Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des International Council on Clean Transportation (ICCT). Viele Hybrid-Fahrer laden ihren Hybrid nicht auf, sondern nutzen ausschließlich den Verbrennungsmotor.


Deutschland europaweit spitze bei E-Antrieben

Deutschland ist gemäß der CAM- und Yougov-Studie im letzten Jahr zum zweitgrößten Einzelmarkt für Elektroautos und Hybridfahrzeuge aufgestiegen. "Einschließlich September 2021 wurden in Deutschland fast eine halbe Million Elektrofahrzeuge (BEV, PHEV) abgesetzt, was rund 30 Prozent des gesamten europäischen Electric-Vehicle-Marktes entspricht", heißt es dort.


Bei rein elektrisch fahrenden Fahrzeugen hat VW in Deutschland die Nase vorn, noch vor Tesla, Hyundai und Renault. Bei den Hybridfahrzeugen sind die Autobauer Mercedes, BMW, VW und Audi Marktführer - die jedoch alle deutlich mehr Umsatz mit Verbrennerfahrzeugen machen.

Dagegen generieren Tesla, Polestar und Smart ihren Absatz zu (fast) 100 Prozent über den Verkauf von reinen Elektrofahrzeugen.


Gründe gegen und für den Kauf von eAutos

Eine Befragung der Unternehmensberatung Deloitte unter 1050 Fahrzeughaltern in Deutschland legt nahe, dass die Begeisterung für Elektromobilität nachgelassen hat. Während sich dieses Jahr 41 Prozent der Befragten vorstellen können, ein Elektroauto zu kaufen, waren es 2019 noch mehr als die Hälfte. Zu ähnlichen Zahlen kommt eine Befragung der Deutsche Automobil Treuhand (DAT). Die vermutet, dass die staatlichen Subventionen von bis zu 9000 Euro pro E-Auto-Kauf dazu geführt habe, dass sich viele potentielle Käufer eingehender mit der Technologie beschäftigt haben und nun wegen des Wissens um unzureichende Ladeinfrastruktur oder der Batterieherstellung oder -entsorgung skeptischer sind als zuvor. So halten 78 Prozent der von DAT Befragten die Entsorgung der Batterien für umweltschädlich. Auch der Wiederverkaufswert könnte eine Rolle spielen, der sinkt nämlich deutlich stärker als der von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Betrug der durchschnittliche Restwert für ein drei Jahre altes Elektroauto im Herbst vergangenen Jahres noch 52,7 Prozent, lag er im September 2021 schon nur noch bei 47,4 Prozent des Neupreises. Im selben Zeitraum stieg der Restwert von Benzinern von 56 auf 58 Prozent und der von Dieselfahrzeugen von 52 auf 55,2 Prozent. Gemäß der Yougov-Befragung sorgen sich die potentiellen Käufer:innen außerdem um zu wenig Ladesäulen und zu lange Ladezeiten.


Nur jede:r Dritte hat bisher Erfahrungen mit Elektromoilität gemacht

Für den Kauf eines Elektroautos entscheiden sich die Menschen laut Studie wegen der niedrigen Betriebskosten und aus Umweltschutzgründen. "Gerade die Umweltaspekte dominieren in Italien und Spanien, noch vor den finanziellen Aspekten. Die Zukunftssicherheit der Antriebsart ist in allen Ländern bis auf Frankreich an dritter Stelle.", heißt es weiter.

Die YouGov-Daten zeigen aber auch, dass erst rund jeder dritte potentielle Autokäufer konkrete Berührungspunkte mit Elektroautos gehabt hatte. Entsprechend fehlen Erfahrungen mit Ladevorgang, Ladenetz und Ladezeiten. Die Studie rät also, für einen Ausbau der Elektromobilität in Deutschland auch auf Kommunikation zu setzen - über digitale Medien, aber auch über klassische TV-Beiträge, die den tatsächlich praktischen Nutzen und wirtschaftliche Faktoren von Elektroautos thematisieren.


Ein Blog, der auf Youtube über Elektromobilität aufklärt,

ist "Das Bloghaus" von Eva-Maria Sanders. Schaut doch mal rein.






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