Mobilitätstrend automatisiertes Fahren: Sieben Beispiele aus NRW

Seit der Erfindung des Tesla ist autonomes bzw. automatisiertes Fahren eines der Trendthemen in der Automobilindustrie. Dabei funktioniert das teil- bzw. vollautomatisierte Fahren bislang vor allem im ÖPNV - und vergleichsweise wenig im Individualverkehr.

Anfang Februar hat Deutschland beim automatisierten Fahren einen Gang hochgeschaltet. Zumindest auf dem Papier. Schon seit 2017 gab es in Deutschland ein Gesetz, dass den Betrieb von automatisierten Fahrzeugen regelte. Jetzt haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und seine Beamt*innen konkrete Einsatzszenarien ins Gesetz eingebracht, denen letztlich das Bundeskabinett zugestimmt hat.

  • automatisierter Shuttle-Verkehr

  • automatische Personentransportsysteme für kurze Strecken (People-Mover)

  • fahrerlose Verbindungen zwischen Logistikzentren (Hub2Hub-Verkehre)

  • nachfrageorientierte Verkehrsangebote in Randzeiten im ländlichen Raum,

  • Dual-Mode-Fahrzeuge wie zum Beispiel beim "Automated Valet Parking"

Damit ist Deutschland weltweit das erste Land, das fahrerlose Kraftfahrzeuge - innerhalb bestimmter Grenzen - erlaubt.


Automatisiertes Fahren - ein Megatrend in 6 Stufen

Aber wie weit sind wir in Deutschland eigentlich? Ist vollautomatisiertes Fahren überhaupt technisch schon möglich? Das und mögliche Geschäftsmodelle diskutieren heute Abend drei Expertinnen beim MoveUp des WiM Hub Rhein Ruhr.


Grundsätzlich wird zwischen sechs verschiedenen Stufen der Automatisierung unterschieden:

  • Stufe 0: Keinerlei Automatisierung

  • Stufe 1: Assistiertes Fahren mit Fahrassistenzsystemen wie Spurhalte-, Notbrems-, oder Einparkassistent.

  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren, bei dem das Auto zeitweise Lenkung, Gas und Bremse übernimmt, beispielsweise bei einem Stau-Assistenzsystem.

  • Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren, bei dem das System überwiegend selbstständig fährt und den Fahrer nur vereinzelt dazu auffordert, zu übernehmen.

  • Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren, bei dem das Fahrzeug nicht mehr von einem Fahrer überwacht werden muss. In Ausnahmefällen muss er eingreifen.

  • Stufe 5: Autonomes Fahren, bei dem der Mensch ausschließlich Passagier ist.

Derzeit sind erst teilautonome Systeme zugelassen – der Fahrer muss jederzeit eingreifen können. An Stufe 4 wird geforscht.


NRW fördert vernetzte Mobilität und automatisiertes Fahren mit 16 Mio. Euro


Nicht nur Automobilhersteller wie Tesla, auch ÖPNV-Betreiber testen bereits fleißig. Deutschlandweit gibt es bislang rund 20 Projekte mit selbstfahrenden Mini-Bussen. Die meisten werden aktuell noch auf Privatgelände erprobt. So wie der automatisierter Kleinbus der Berliner Verkehrsbetriebe. Der fährt mit rund 20 km/h auf dem Campus der Berliner Charité auf einer vordefinierten Strecke vollautonom. An Rhein und Ruhr wird in diesem Bereich besonders viel geforscht - und gefördert: „Wir möchten NRW zur Modellregion für die Mobilität 4.0 machen – mit intelligenter Verkehrsführung, neuen Verkehrskonzepten und automatisiertem Fahren“, verkündete das Düsseldorfer Verkehrsministerium schon im Jahr 2019. Entsprechend legte das Land Nordrhein-Westfalen ein eigenes Förderprogramm im Volumen von 16 Millionen Euro für vernetzte Mobilität auf, zu der der automatisierte Personennahverkehr gehört.


Vielfältige Forschung in Aachen

In und um Aachen geschieht eine ganze Menge in Sachen Forschung und neuer Mobilität. Der Nukleus der Aktivitäten ist die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH), an deren Institut für Kraftfahrzeuge (ika) auch die heutige WiM-Referentin Maike Scholtes zu automatisiertem Fahren forscht. Darüber hinaus erproben Wissenschaftler*innen der RWTH auf dem Versuchsgelände in Aldenhoven bei Aachen, dem Aldenhoven Testing Center, das vernetzte Fahren in der Stadt. Die Testfahrzeuge müssen in dem staatlich geförderten Center ganz reale Verkehrssituationen meisten: Kreisverkehre, Parkplätze und Busverkehr inklusive.



Forschungsprojekt KoMoD in Düsseldorf

Im September 2018 startete in Düsseldorf das Projekt KoMoD (Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf): Auf einer 20 Kilometer langen Teststrecke, die vom Autobahnkreuz Meerbusch über die A57, die A52, die Brüsseler Straße, das Heerdter Dreieck, den Vodafone Campus, den Rheinalleetunnel über die Rheinkniebrücke in das Stadtviertel Friedrichstadt führte, wurde vernetztes und automatisiertes Fahren unter realen Verkehrsbedingungen erprobt. Getestet wurde beispielsweise, wie der Verkehr bei Baustellen, Tunnelsperrungen oder Unfällen zentral umgeleitet werden könnte und wie Busse und Lastenräder über Ampelphasen informiert werden. Aber auch wie PKW selbstständig in einem Parkhaus eine Parklücke finden (Automated Valet Parking). Die dafür notwendigen Verkehrsdaten kamen vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen, Vodafone unterstützte bei der technischen Ausstattung. Im Juni 2019 wurde das erste Testprojekt beendet, aktuell läuft mit KoMoD next das Folgeprojekt. Auch hier geht es darum, dass Fahrzeuge und Infrastruktur miteinander kommunizieren.


Testprojekt A-Bus in Iserlohn

Im Mai 2020 hat die NRW-Landesregierung dem Projekt „A-Bus Iserlohn – New Mobility LAB“ die finanzielle Unterstützung zugesichert. Seitdem arbeiten die Stadt Iserlohn, die dortigen Stadtwerke und die Märkische Verkehrsgesellschaft gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen an einem System für zwei autonom fahrende Elektrobusse. Diese soll auf einer 1,5 Kilometer langen Teststrecke zwischen dem Bahnhof Iserlohn und dem Campus der Fachhochschule Südwestfalen fahren.


ÖPNV Linie A-01 in Monheim

Im Juli 2017 hatte die Stadt Monheim am Rhein eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben: Ist es möglich, automatisierte Kleinbusse in Monheim im regulären ÖPNV einzusetzen? Die Antwort: Ja. Seit Februar 2020 fahren dort zwischen morgens um zehn vor sieben und abends nach 23 Uhr fünf automatisierte Elektrobusse, die jeweils 12 Personen Platz bieten. Im 15 Minuten-Takt bedienen sie sieben Haltestellen zwischen Altstadt und Busbahnhof.

Die Busse der Linie A-01 sind mit Sensoren ausgestattet, die Hindernisse und Gefahren erkennen und den Bus im Notfall stoppen. Ein Operator, der das System permanent überwacht, muss den Bus dann mithilfe eines Joysticks um das Hindernis herum manövrieren. Das können die Fahrzeuge noch nicht selbstständig. Auch die automatisierten Busse in Monheim wurden vom Land NRW und der Stadt Monheim gefördert. Insgesamt umfassen die Förderungen 2,1 Millionen Euro.


Automatisierter Flughafen-Shuttle in Weeze

2019 startete in Weeze am Niederrhein das Projekte Interregional Automated Transport (I-AT). Zwei automatisierte Shuttlebusse bringen dort Menschen vom Hotel beziehungsweise dem Flughafenparkplatz zum Terminal. Und wieder zurück. Die Shuttles sind auf zwei festgelegten Routen unterwegs und können jeweils bis zu sechs Fahrgäste befördern. Wie in Monheim ist auch hier ein Operator mit an Bord, der im Notfall das Steuer übernehmen kann.

Kompetenzzentrum Automatisiertes Fahren in Wuppertal

Auch in Wuppertal gab es schon erste Versuche mit automatisierten PKW des Herstellers Aptiv (vormals Delphi). Der damalige NRW Verkehrsminister Michael Groschek stand dafür bereits seit 2015 im Austausch mit dem Unternehmen und förderte die Teststrecke auf der L418. 2018, nach Inkrafttreten des ersten Gesetzes zur Regelung von automatisiertem Verkehr in Deutschland fanden die Testfahrten statt. 2019 nahm in Wuppertal dann das Kompetenzzentrum Automatisiertes Fahren seine Arbeit auf. Dem Netzwerk gehören u.a. die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbh, Aptiv, das Institut für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie der Bergischen Uni und die Hochschule Ruhr West an. Das Zentrum erhielt im Rahmen des Projektaufrufs „Regio.NRW – Innovation und Transfer“ vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie eine Förderung von 1,7 Millionen Euro.


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