"Sie gewöhnten sich daran, dass ich Fragen stellte und dass ich die einzige Frau war."

Unsere Mobilmacherin der Woche ist wieder eine historische Person, die ihr uns empfohlen habt: die Mathematikerin Katherine G. Johnson. Sie hat für die NASA Flugbahnen berechnet und maßgeblich zum Erfolg der ersten Mondlandung beigetragen.

Unsere Mobilmacherin der Woche ist uns empfohlen worden, weil sie in einer Werbekampagne des Stiftherstellers Stabilo als „remarkable“ – bemerkenswert – vorgestellt wurde. Und bemerkenswert ist das Leben von Katherine G. Johnson auf jeden Fall gewesen:


Katherine kam 1918 in White Sulphur Springs, West Virginia, zur Welt. Mit sechs Jahren kam sie in die Schule – und zwar direkt in die zweite Klasse. Lesen und rechnen konnte sie nämlich bereits. Schon als Kind liebte sie Zahlen. „Alles, was man zählen konnte, habe ich gezählt: Ich zählte Schritte. Ich zählte die Teller, die ich abwusch. Ich wusste, wie viele Schritte es von unserem Haus zur Kirche waren“, sagte sie in einem Interview über sich selbst.


Später übersprang sie nochmal eine Klasse, so dass sie mit zehn Jahren in die High-School ging. Mit 14 wechselte sie aufs College. Katherine studierte Französisch und Mathematik und machte mit 18 Jahren ihren Bachelor of Science in beiden Fächern. Mit Auszeichnung.

Wie ihre Mutter arbeitete sie zunächst als Lehrerin, bis sie 1952 von ihrer Schwester erfuhr, dass das Langley Research Center schwarze Mathematikerinnen wie sie anstellen würde. Also bewarb sie sich und begann 1953 für das National Advisory Committee for Aeronautics (NACA, die Vorgängerin der Nasa, Flugschreiber auszuwerten und Daten aus Windkanal-Experimenten zu berechnen und zu visualisieren. Sie sagte über diese Zeit: "Ich habe in Langley gefunden, was ich suchte. Das war es, was ein Forschungsmathematiker tat. Ich bin 33 Jahre lang jeden Tag glücklich zur Arbeit gegangen. Nie bin ich aufgestanden und habe gesagt, dass ich nicht zur Arbeit gehen will."

Katherine gehörte bei der NASA zu den so genannten „menschlichen Computern“: Frauen, die Flugbahnen oder benötigte Treibstoffmengen berechneten, weil Computer damals noch fehleranfällig waren.


Die Frauen taten, was man ihnen sagte. Sie stellten keine Fragen und gingen nicht über ihre Aufgaben hinaus. Ich hakte nach, ich wollte wissen, warum. Sie gewöhnten sich daran, dass ich Fragen stellte und dass ich die einzige Frau war.

Katherine G. Johnson, Mathematikerin bei der NASA


Katherine berechnete beispielsweise die Flugbahn für die Mission „Friendship 7“. Angeblich habe der Astronaut John Glenn sich geweigert, zu dieser Mission anzutreten, wenn Katherine nicht die Berechnungen anstellen würde. „Wenn sie sagt, sie sind gut, dann bin ich bereit, zu fliegen“, zitiert die Nasa Katherine auf ihrer Website. Glenn umkreiste 1962 als erster Amerikaner die Erde - nachdem Johnson ihr Okay gegeben hatte. "Sie sagen mir, wann und wo Sie möchten, dass sie herunterkommt, und ich werde Ihnen sagen, wo und wann und wie Sie die Rakete starten sollen", beschrieb Katherine die Arbeit an dem Projekt.

Sie berechnete auch die Umlaufbahn für die Raumfahrtmission Apollo 11 und leistete damit einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der ersten Mondlandung. Auf diese Mission sei sie am stolzesten gewesen. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1986 wirkte sie außerdem an der ersten Phase des Space-Shuttle-Programms mit.



Katherine erhielt im Laufe ihres Lebens zahlreiche Auszeichnungen für ihre Arbeit: sowohl von der NASA selbst als auch von verschiedenen Universitäten, die ihr die Ehrendoktorwürde verliehen. 2015 verlieh ihr der damalige US-Präsident Barack die Presidential Medal of Freedom, einer der beiden höchsten zivilen Auszeichnungen der USA.

Sie starb im Februar 2020 im Alter von 101 Jahren.


„Sie war eine amerikanische Heldin und ihr Vermächtnis als Pionierin wird niemals vergessen werden“, sagte Nasa-Chef Jim Bridenstine in einer Mitteilung der Nasa anlässlich ihres Todes. Ohne sie wären „Meilensteine“ der US-Raumfahrt nicht möglich gewesen. Sie habe auch wesentlich dazu beigetragen, dass Frauen und Schwarzen heute mehr Türen offen stünden.

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