„Gut arbeiten allein reicht nicht aus.“
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- vor 2 Tagen
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Women in Mobility kooperiert ab sofort mit bunton, einer KI-basierten Karriere-Plattform für Frauen in Führungspositionen und Aufsichtsräten. Was hinter der Kooperation steckt und warum Gründerin Janet Winkler überzeugt ist, dass gute Arbeit allein nicht reicht, um Karriere zu machen – ein Gespräch über Sichtbarkeit, Netzwerke und die unbequemen Wahrheiten weiblicher Karrierewege.

Ab sofort kooperiert Women in Mobility mit bunton, einer KI-basierten Karriereplattform, die Frauen mit Unternehmen zusammenbringt, die gezielt weibliche Führungskräfte für Vorstands- und Aufsichtsratspositionen suchen.
Für die WiM-Community bedeutet das künftig Zugang zu ausgewählten Karriere- und Weiterbildungsangeboten von bunton – teilweise kostenfrei. Darüber hinaus sind gemeinsame Webinare sowie #MoveUps rund um Führung, Karriereentwicklung und Jobsharing geplant.
Doch wie entstand eigentlich die Idee für eine Plattform, die den Headhunting-Markt verändern will? Darüber haben wir mit Co-Gründerin Janet Winkler gesprochen.
Janets heutiger Mitgründer war als Aufsichtsratsvorsitzender einer Aktiengesellschaft auf der Suche nach einer Frau für sein bis dahin ausschließlich männlich besetztes Gremium. „Er kam zu mir und sagte: 'Ich möchte gerne eine Frau da drin haben, weil wir aktuell nur Männer sind. Kennst du jemanden?'“
Janet war überzeugt, dass das kein Problem werden würde. Sie verfügte über ein großes berufliches Netzwerk und sagte sofort zu. Doch die Suche erwies sich als schwieriger als gedacht. „Ich war überrascht, wie schwer das war. Ich hatte zwar Netzwerke, aber es kam längst nicht das zurück, was ich erwartet hatte“, sagt sie.
Während sie mühsam nach geeigneten Kandidatinnen suchte, hatte ihr Mitgründer bereits zehn Männer, die sich aktiv um dieselbe Position bemühten.
Am Ende konnten zwar beide offenen Führungspositionen mit Frauen besetzt werden. Die eigentliche Erkenntnis war dennoch: „Das kann doch nicht wahr sein, dass Frauen so wenig sichtbar sind. Lass uns überlegen, ob wir einen Matching-Algorithmus entwickeln.“
Aus dieser Idee entstand schließlich bunton – bunt on – Vielfalt an: eine Plattform, die Frauen auf C-Level und Unternehmen beziehungsweise deren Aufsichtsräte und Beiräte gezielt zusammenbringt.
„Ich wollte kein weiteres Frauennetzwerk gründen. Es gibt schon unglaublich viele tolle. Wir wollten ein skalierbares Geschäftsmodell aufbauen – und damit auch Geld verdienen. Auch für die Frauen."
bunton-Gründerin Janet Winkler
Die Plattform kombiniert Kriterien-Matching, Persönlichkeitstests und eine KI-gestützte Qualifikationsprüfung. Künstliche Intelligenz kam bei bunton nicht erst mit dem aktuellen KI-Boom ins Spiel. Ein algorithmusbasiertes Matching war von Anfang an Teil des Konzepts. Für Janet liegt der größte Vorteil vor allem in Geschwindigkeit und Qualität. „Wenn sich 100 Menschen bewerben, sitzt ein Mensch Tage oder Wochen daran. Eine KI kann diese Vorauswahl in kurzer Zeit treffen und sagen: Diese zehn Profile solltet ihr euch genauer anschauen“, sagt sie. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Menschen zu ersetzen. „Natürlich machen wir anschließend noch einen Qualitätscheck. Aber wir werden deutlich schneller.“
Gleichzeitig sieht Janet in KI die Chance, unbewusste Vorurteile zumindest teilweise zu reduzieren. „Wir sind alle gebiased. Du schaust anders auf ein Profil als ich. Deine Kollegin schaut wieder anders darauf.“
Ganz ohne Widersprüche ist das Thema für sie dennoch nicht: „Ich habe zwei Herzen in meiner Brust. Das Frauenherz sagt: Eigentlich möchte ich meine Daten gar nicht preisgeben. Aber als Unternehmerin weiß ich: Wenn wir unsere Daten nicht teilen, können wir auch keine guten Produkte und Services entwickeln.“
„Frauen suchen anders als Männer“
Eines der Muster, das Janet Winkler in ihrer täglichen Arbeit immer wieder beobachtet, ist die unterschiedliche Herangehensweise von Frauen und Männern an Karriereschritte.
Während Männer eine Position häufig nach Gehalt, Status oder Karriereschritt bewerten, betrachten Frauen den gesamten Kontext: „Frauen schauen sich eine Stelle gesamtheitlich an. Passt sie zu meiner Familie? Muss ich umziehen? Wie ist die Unternehmenskultur? Kann ich mir vorstellen, dort länger zu bleiben?“, zählt Janet auf. „Männer sagen häufiger: Ich mache das jetzt erst einmal. Wenn es nicht klappt, finde ich schon etwas Neues."
Wenn Kriterien zu 80 Prozent erfüllt sind, bewirbt sich eine Frau eher nicht, weil sie sagt: „Ich habe keine 100 Prozent.“ Beim Mann reichen oft 60 Prozent. Der sagt: „Den Rest lerne ich."
bunton-Gründerin Janet Winkler
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, den Janet immer wieder erlebt: der innere Kritiker.
„Oft müssen wir Frauen erst überzeugt werden, obwohl uns jemand die Position aktiv zutraut. Da ist diese Stimme im Kopf, die fragt: Schaffe ich das überhaupt?"
Für Unternehmen bedeutet das: Wer mehr Frauen für Führungspositionen gewinnen möchte, muss sie nicht nur anders ansprechen, er muss auch verstehen, welche Fragen sie sich stellen, bevor sie sich überhaupt bewerben.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Diana Benzinger von der Hochschule München Business School initiierte bunton eine Studie zu den Erfahrungen weiblicher Führungskräfte im Bewerbungsprozess für Top-Executive-Positionen. Zwei der Ergebnisse: Headhunter schlagen Frauen seltener für C-Level-Jobs sowie Beirats- und Aufsichtsratspositionen vor, für sie sind Netzwerke entscheidend für die Vergabe von Top-Positionen.
Frauen entscheiden sich bei der Suche nach einer Führungsposition für das Unternehmen, dessen Kultur ihren Werten entspricht.
Drei Mythen, die sich hartnäckig halten
Im Laufe der Jahre sind Janet immer wieder dieselben Vorurteile begegnet. Drei davon hält sie für besonders hartnäckig. Der erste lautet: Es gibt nicht genug qualifizierte Frauen für Führungspositionen.
Davon hält sie wenig. Sie sagt: „Es gibt genügend qualifizierte Frauen. Die eigentlichen Hürden sind strukturell. Es sind unbewusste Vorurteile und Rahmenbedingungen – nicht fehlende Kompetenz."
Auch der zweite Mythos begegnet ihr regelmäßig: Familie und Karriere seien für Frauen kaum miteinander vereinbar. Dem widerspricht sie entschlossen und sagt: „Das ist kein Frauenthema. Das ist ein Thema der Rahmenbedingungen – und zwar für Frauen und Männer gleichermaßen."
Sie erzählt dabei von ihrer eigenen Kindheit in Dresden. Beide Eltern arbeiteten im Schichtdienst, beide kümmerten sich selbstverständlich um die Familie. „Wenn meine Mutter gearbeitet hat, hat mein Vater die Windeln gewechselt. Das war völlig normal."
Der dritte Mythos lautet, Frauen müssten führen wie Männer, um erfolgreich zu sein.
Für Janet ist diese Vorstellung längst überholt. „Frauen können genauso harte Entscheidungen treffen. Aber häufig führen sie kooperativer. Und je mehr Frauen Verantwortung übernehmen, desto stärker verändert sich auch Führung insgesamt."
Sie weiß allerdings auch, dass viele Frauen sich über Jahre angepasst haben. „In der Unternehmensberatung saß ich auch im Blazer da, die Haare zusammengebunden, möglichst unauffällig. Heute trage ich bunte Hemden. Diese Freiheit musste ich mir erst erarbeiten."
„Dann arbeite ich eben mit denen, die daran glauben.“
Als Janet und ihr Mitgründer 2021 mit bunton starteten, war die Resonanz nicht ausschließlich positiv. „Da hieß es schon: Ach, die mit ihrem Female-Gedöns.", erzählt sie. Beeindrucken ließ sie sich davon allerdings nicht. Ganz im Gegenteil.
Sie beschloss: „Wenn ihr nicht daran glaubt, dann arbeite ich eben mit denen, die daran glauben."
Die größte Herausforderung sei es aber gewesen, das notwendige Geld für die Gründung einzusammeln. „Ich habe alle meine Unternehmen vorher mit Eigenkapital aufgebaut. Das ist typisch Frau: Wir wollen Sicherheit und investieren erst einmal unser eigenes Geld", sagt sie. Für bunton funktionierte das nicht.
Zum ersten Mal musste sie Investorinnen und Investoren überzeugen. „Nach Geld zu fragen, eine Finanzierungsrunde zu machen – das war für mich die größte Herausforderung.“ Am Ende gelang es dem Team, über einen BAFA-Investitionszuschuss und private Investorinnen und Investoren mehr als eine halbe Million Euro einzuwerben.
„Wir haben heute 13 Investoren, davon acht Investorinnen. Aber die beiden größten Tickets kommen von Männern. Nicht, weil Frauen nicht investieren wollten, sondern weil sie häufig schlicht weniger Kapital zur Verfügung haben."
bunton-Gründerin Janet Winkler
Diese Erfahrung bestätigt für sie erneut, warum finanzielle Unabhängigkeit so wichtig ist. Ein Thema, das sie bis heute antreibt. Fragt man Janet, welchen Rat sie jungen Frauen am Anfang ihres Berufslebens geben würde, muss sie nicht lange überlegen:
„Kümmert euch um eure eigenen Finanzen.“
Warum ihr dieses Thema so wichtig ist, hat persönliche Gründe. Als Janet 19 Jahre alt war, starb ihr Vater. Mitten zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur. Von einem Tag auf den anderen brach das Einkommen der Familie weg.
Sie stand vor der Entscheidung, zu ihrer Familie nach Dresden zurückzukehren oder in Frankfurt zu bleiben, wo sie gerade einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte. Sie blieb. „Ich hatte kein Geld, keine Wohnung und wusste nicht, ob mein Ausbildungsbetrieb mich überhaupt noch nimmt. Da lernt man sehr schnell, wie wichtig finanzielle Unabhängigkeit ist." Diese Erfahrung prägt sie bis heute.
„Jede Frau braucht ihr eigenes Konto. Ihre eigenen Finanzen. Das gibt Sicherheit und Selbstbewusstsein."
Der zweite Rat ist fast genauso wichtig: „Netzwerken beginnt nicht erst im Berufsleben. Es beginnt im Studium. Dort triffst du die Managerinnen und Manager von morgen." Und mit einem Augenzwinkern ergänzt sie: „Es ist oft nicht die Frau mit dem Einserabschluss, die später im Vorstand sitzt. Sondern derjenige, der auf jeder Party dabei war."
In ihren Webinaren arbeitet bunton regelmäßig mit erfahrenen Personalberatungen zusammen. Dort zeigt sich immer wieder, wie unterschiedlich Männer und Frauen über ihre eigenen Leistungen sprechen. „Männer verkaufen sich deutlich stärker. Frauen erzählen eher, was sie gemacht haben."
Janet erinnert sich noch gut an ihr erstes entsprechendes Webinar.
„Ich musste ständig schmunzeln. Da wurden Lebensläufe verglichen und plötzlich wurde sichtbar, wie unterschiedlich wir uns präsentieren."
Ihr Fazit ist deshalb klar: „Frauen dürfen ruhig eine Schippe drauflegen. Nicht übertreiben. Aber zeigen, was sie können."
Zum Abschluss unseres Gesprächs stellen wir Janet noch eine letzte Frage: Welche unbequeme Wahrheit über Karriere sollten mehr Frauen kennen?
Sie sagt: „Gut arbeiten allein reicht nicht aus." und erzählt von einer eigenen Erfahrung: Während sie sich vollständig auf ein wichtiges Projekt konzentrierte, fanden an anderer Stelle die Gespräche über Beförderungen statt.
Sie war nicht dabei. Heute bewertet sie diese Situation anders. „Ich hätte zu diesem Termin gehen sollen."
Für sie gehört Sichtbarkeit deshalb untrennbar zu Führung. „Sichtbarkeit ist kein Ego, sondern Teil von Führung." Ebenso wichtig seien Menschen, die Türen öffnen, Feedback geben und Mut machen. „Sucht euch Role Models. Sucht euch Menschen, die euch unterstützen." So wie sie Professor Dr. Eva Anderl von der HM Business School der Hochschule München unterstützt hat. Im Rahmen eines Workshops analysierten deren Studierenden die Plattform und entwickelten konkrete Vorschläge für die nächste Skalierungsstufe. „Die Ideen waren so gut, dass wir wahrscheinlich noch Jahre brauchen, um alles umzusetzen“, erzählt Janet.




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