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„Mobilität beeinflusst, wie Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“

Im Rahmen der Shaping Mobility Awards suchen der Verkehrsclub VCD, die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft und die Mobilitätsexpertin Dr. Ines Kawgan-Kagan wieder herausragende Abschlussarbeiten von jungen Mobilitätsforschenden. Wir haben mit Ines über ihren Stiftungspreis und neue Perspektiven auf Mobilität als Teilhabe gesprochen.


Gruppenfoto der Preisträger:innen der Shaping Mobility Awards 2025 mit den Initiator:innen und Stifter:innen. Zehn Personen posieren mit Urkunden und Blumen vor den Roll-ups von VCD und DVWG. Vorne links sitzt Dr. Ines Kawgan-Kagan in einem dunkelgrünen Kleid. Die ausgezeichneten Nachwuchswissenschaftler:innen halten ihre Urkunden und Preisunterlagen in den Händen. Das Foto entstand im Rahmen der Preisverleihung der Shaping Mobility Awards.
Die Preisträger:innen und Initiator:innen der Shaping Mobility Awards 2025. Foto: Alexandre Berger | VCD

Die Bewerbungsphase für die Shaping Mobility Awards ist offiziell gestartet: Ab sofort suchen der Verkehrsclub VCD, die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG) und Mobilitätsexpertin Dr. Ines Kawgan-Kagan wieder Abschlussarbeiten aus dem Mobilitätskontext, die sich mit nachhaltiger Transformation, Verkehrswende und gesellschaftlicher Teilhabe beschäftigen. „Die großen Herausforderungen im Verkehr brauchen stets neue Perspektiven und mutige Ideen. Deshalb ist uns die Förderung junger Verkehrswissenschaftler*innen wichtiger denn je. Mit unseren Nachwuchsförderpreisen möchten wir innovative Ansätze sichtbar machen und den klugen Köpfen von morgen eine Bühne geben“, sagt Prof. Dr. Jan Ninnemann, Präsident der DVWG.


Während viele Forschungsarbeiten technische Innovationen oder wirtschaftliche Fragestellungen in den Fokus stellen, zeichnet besonders der Stiftungspreis "Mensch, Gesellschaft, Mobilität" von Ines Arbeiten aus, die Mobilität aus der Perspektive der Menschen betrachten.

Im Mittelpunkt stehen sozialwissenschaftliche Fragestellungen und die Erkenntnis, dass Mobilität für verschiedene Menschen sehr unterschiedlich funktioniert. Oder eben auch nicht.

Oder, wie es bei der DVWG heißt: Mobilität ist ungleich verteilt. Viele Menschen werden im Alltag systematisch benachteiligt. Der Stiftungspreis stärkt deshalb Forschung, die soziale Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt und Mobilität aus den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Menschen denkt.


Denn Mobilität entscheidet darüber, ob Menschen zur Arbeit kommen, eine Ausbildung beginnen, Freund:innen und Familie besuchen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Trotzdem wird sie - gerade in der Forschung - als rein technische oder infrastrukturelle Aufgabe betrachtet.

"Ich fand es schade, dass es häufig nur um technische Innovationen in der Mobilitätsforschung geht, um den nächsten Prototypen oder ein neues Produkt. Aber besonders soziale Gerechtigkeit kann nicht mal eben durch Technik hergestellt werden", sagt Ines, die am Lehrstuhl Kulturgeographie der Universität Bayreuth arbeitet und an der Schnittstelle von Mobilitätsforschung, Humangeographie und sozialer Ungleichheit forscht. "Wir müssen gesellschaftliche Zusammenhänge erst einmal verstehen und dann an Lösungen arbeiten, die nicht nur einer kleinen Gruppe an Menschen dienen. Um diese Art der Mobilitätsforschung zu fördern, habe ich den Stiftungspreis ins Leben gerufen."


In ihrem aktuellen Habilitationsprojekt untersucht Ines die strukturelle Bedeutung von Care Mobilität, Datenlücken in der Mobilitätsforschung sowie Fragen von Sicherheit, Erreichbarkeit und Teilhabe. Entsprechend würde sie sich bei den Einreichungen für ihren Stiftungspreis über Themen und vor allem Themenkombinationen aus diesem Bereich freuen. Spannend seien auch Arbeiten, die verschiedene gesellschaftliche Themen miteinander verbinden und neue Entwicklungen im Blick haben.

Als Beispiel nennt sie nachhaltige Mobilität für Menschen mit Einschränkungen. In der Diskussion werde Barrierefreiheit in der Mobilität fast immer mit Rollstühlen und dem Vorhandensein von Rampen gleichgesetzt wird. "Das ist natürlich wahnsinnig wichtig, aber es gibt so viel mehr Mobilitätseinschränkungen, wobei auch verschiedene Unterstützungsangebote nicht immer zusammenpassen."

Mobilität beeinflusst, wie Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, welchen Zugang sie zu Bildung, Arbeit, Versorgung und sozialen Beziehungen haben und wie sie ihren Alltag gestalten. Mit dem Stiftungspreis möchte ich wissenschaftliche Arbeiten auszeichnen, die Mobilität in diesen gesellschaftlichen Zusammenhängen untersuchen und damit neue Impulse für die Mobilitätsforschung geben.

Stifterin Dr. Ines Kawgan-Kagan



Der Stiftungspreis wird derzeit vollständig von Ines selbst finanziert. Perspektivisch möchte sie dafür weitere Unterstützer:innen gewinnen. „Ich suche natürlich auch noch nach Sponsoren – auch um die Praxis mit ins Boot zu holen und die Arbeiten dort bekannter zu machen. Es wäre schön, da eine Brücke zu schlagen“, sagt sie. Auch, um den sozialwissenschaftlichen Forschungsansätzen die nötige Wertschätzung zu geben. "Es gibt einige Preise für ingenieurswissenschaftliche Themen. Bei anderen weiter ausgelobten Preisen gewinnen meist Modellierungsthemen. Da schwingt immer eine Wertigkeit mit, die sagt, dass sozialwissenschaftliche Themen anscheinend weniger wertvoll sind", sagt sie. Das Thema werde oft als nice to have oder ehrenamtliches Engagement verstanden, aber selten konsequent ernst genommen, geschweige denn in der Praxis umgesetzt. "Das kann ich so nicht stehenlassen und möchte diesem Feld die Bühne geben, die es verdient."


Insgesamt werden im Rahmen der Shaping Mobility Awards drei Preise verliehen, die unterschiedliche Schwerpunkte der Mobilitätsforschung abdecken: von technischen Innovationen über nachhaltige Verkehrskonzepte bis hin zu den genannten gesellschaftlichen Fragestellungen. „Wenn wir die Verkehrswende schaffen wollen, brauchen wir innovative Mobilitätskonzepte, die alle Menschen mitdenken. Deswegen haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Nachwuchswissenschaftler:innen zu fördern und ihre zukunftsweisenden Forschungsergebnisse sichtbarer zu machen“, sagt auch Anika Meenken vom VCD.


Henry-Lampke-Preis

Die DVWG zeichnet ingenieurs- und wirtschaftswissenschaftliche Master- und Diplomarbeiten zur nachhaltigen Transformation des Verkehrswesens aus.


Dotierung: jeweils 500  €


Stiftungspreis

Der Preis Mensch, Gesellschaft, Mobilität

von Dr. Ines Kawgan-Kagan zeichnet Projekte aus, die soziale Nachhaltigkeit in der Mobilität in den Mittelpunkt stellen.

Dotierung: 750 €


VCD-Award

Für den Preis sucht der Verkehrsclub Bachelor- und Masterarbeiten, die sich mit Strategien und Zielen einer nachhaltigen sowie sozialgerechten Verkehrswende beschäftigen.


Dotierung:  jeweils 500  €


Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 31. August 2026. Die Preisverleihung findet dann am 23. November im Rathaus Schöneberg in Berlin statt. Hier gibt es weitere Informationen zu den Preisen und den Bewerbungskriterien.




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