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Junge Stimmen gestalten Zukunft

vor 1 Stunde
5 Min. Lesezeit

Am 17. September 2026 nahmen mehr als 120 Jugendliche an einem Workshop in Salzburg teil, um gemeinsam eine Vision für die Mobilität der Zukunft zu entwickeln und sie politischen

Entscheidungsträger:innen vorzustellen. Mit dieser Veranstaltung startete das i-mobyl Living Lab Salzburg. Es ist der Beginn eines Prozesses, in dem Jugendliche aktiv an Diskussionen über Mobilität und den öffentlichen Raum in ihrer Stadt teilnehmen werden.

Eine Gruppe junger Menschen sitzt bei einem Workshop an einem Tisch mit Arbeitsmaterialien und diskutiert mit einem älteren Mann, der sich zu ihnen beugt. Im Hintergrund ist eine Präsentation mit der Aufschrift „Gallery Walk“ zu sehen.
Salzburg wird Living Lab für europäische Mobilitätsforschung mit Jugendlichen Fotos: Alexander Killer, Stadt Salzburg

Als Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und Nutzer:innen öffentlicher Verkehrsmittel verfügen Jugendliche über wertvolle Kenntisse und Erfahrungen mit Mobilität. Durch ihre täglichen Erfahrungen können sie wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen, beispielwise, indem sie gefährliche Kreuzungen benennen oder auf fehlende Fahrradinfrastruktur hinweisen.

Trotzdem werden Jugendliche nur selten in Forschungs– und Planungsaktivitäten im Bereich Mobilität einbezogen, obwohl diese ihren Alltag unmittelbar treffen. Jugendzentrierte Forschung und Planung erfordert, dass die Perspektiven junger Menschen ernst genommen werden und sie als Expert:innen in ihrem eigenen Lebensumfeld aktiv in Planungsprozessen mitwirken können.

Jugendzentrierte Mobilitätsforschung i-mobyl ist ein transnationales Forschungsprojekt mit dem Ziel die Mobilitätspräferenzen, Bedürfnisse und alltäglichen Verkehrsmuster von Jugendlichen im Alter von elf bis 15 Jahren besser zu verstehen.

Untersucht wird, wie das Umfeld, soziale Faktoren und digitale Angebote das Mobilitätsverhalten von Jugendlichen beeinflussen. Maßnahmen werden in Living Labs (Paris, Salzburg, Guildford) entwickelt und getestet. Während Evidence-Based-Cities (Eindhoven und Basel) durch Datenanalysen und Vergleichsstudien unterstützen.

Lina Mossahammer, Mitgründerin und Geschäftsführerin von POINT&, hat uns von diesem

besonderen Projekt erzählt.


Women in Mobility: Wie plant ihr, Jugendliche in die Living Labs einzubeziehen und für eine aktive Beteiligung zu gewinnen? Welche Tools und Aktivitäten sind vorgesehen?

Lina Mossahammer: Für uns ist es wichtig, dass Jugendliche wirklich zu Mitgestalter:innen werden. Deshalb haben wir uns für einen Community-Ansatz entschieden - mit gemeinsamer Vision und Gestaltung.

In den Living Labs in Salzburg, Paris und Guildford arbeiten wir mit unterschiedlichen interaktiven Formaten. Der erste Schritt waren unsere Kick-off Workshops, bei denen wir gemeinsam Visionen für die Zukunft der Mobilität gezeichnet haben. Diese sind die Basis für unsere weitere Arbeit. In Paris und Salzburg haben wir die Workshops bereits erfolgreich mit jeweils über 100 Schüler:innen durchgeführt, Guildford startet im November:

  • i-mobyl : Creating fair and healthy mobility for young people in cities. Fotos: Alexander Killer

Darüber hinaus sind weitere Workshops und Tactical Urbanism Aktionen im öffentlichen Raum geplant. Sie sollen Jugendlichen ermöglichen, ihre Stadt aus ihrer eigenen Perspektive zu beschreiben und ihre Wünsche für die Zukunft sichtbar zu machen. Wie die Workshops und Aktivitäten konkret aussehen werden, erarbeiten wir gemeinsam mit den Jugendlichen in Co-Creation Workshops.


Den Rahmen gibt unser Forschungsprojekt vor, da liegt der Fokus auf

  1. Visionen zeichnen

  2. Daten zu Jugendmobilität erheben

  3. Interaktionen und Workshopformate in Co-Creation erstellen

  4. Testen im öffentlichen Raum

  5. Validieren und weiterentwickeln.


Women in Mobility: Wird für Jugendliche ein anderer Ansatz gewählt als für Erwachsene?

Lina Mossahammer: Ja, auf jeden Fall. Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren sind keine „kleinen Erwachsenen“ – und dementsprechend müssen auch Beteiligungsformate anders gestaltet werden. Wir wollen die Methoden stärker an ihrer Lebenswelt ausrichten und vor allem interaktiv, visuell und praktisch arbeiten.

Anstatt nur über Mobilität zu sprechen, geht es darum, die eigene Stadt zu erkunden, Erfahrungen sichtbar zu machen, Geschichten zu erzählen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Gleichzeitig ist uns wichtig, Jugendliche nicht nur als Zielgruppe zu sehen. Sie sind Expert:innen für ihren eigenen Alltag.

Sie wissen, wo sie sich gerne aufhalten, welche Wege funktionieren, wo sie sich unsicher fühlen und was sie davon abhält, zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein.


Women in Mobility: Wie werden die beteiligten Jugendlichen erreicht?

Lina Mossahammer: Ein wichtiger Schlüssel sind die Orte, an denen Jugendliche ohnehin Zeit verbringen – allen voran Schulen und Bildungseinrichtungen, aber auch Jugendorganisationen und andere lokale Netzwerke.

In den Living Labs arbeiten wir deshalb eng mit lokalen Partnern zusammen. In Salzburg sind das unter anderem die Stadt Salzburg gemeinsam mit UWM.Mobilität, in Guildford beispielsweise das Kings College und der Borough Council. Die geplanten Community-Engagement-Formate reichen von Workshops bis zu Innovation Sprints und Hackathons.

Dabei wollen wir bewusst unterschiedliche Jugendliche erreichen und verschiedene soziale und

räumliche Hintergründe berücksichtigen. So sollen nicht nur die Perspektive derjenigen sichtbar werden, die ohnehin schon gerne mitgestalten.


Women in Mobility: Warum ist dieses Thema für sie wichtig?

Lina Mossahammer: Mobilität prägt den Alltag von Jugendlichen enorm – oft stärker, als man auf den ersten Blick denkt. Wie komme ich zur Schule? Wie treffe ich Freund:innen? Kann ich alleine zu meinem Sporttraining fahren? Welche Orte kann ich selbstständig erreichen?

Gerade zwischen dem elften und 15. Lebensjahre verändert sich die eigene Mobilität stark. Jugendliche werden selbstständiger und lösen sich zunehmend von Wegen, die bisher von ihren Eltern organisiert wurden. Gleichzeitig werden sie in der Stadt- und Mobilitätsplanung noch viel zu selten direkt einbezogen. Genau hier setzt i-mobyl an.

Für uns ist deshalb die zentrale Frage: Wie können Städte so gestaltet werden, dass Jugendliche

sich sicher, selbstständig und gerne bewegen können? Wir sind überzeugt, dass Jugendliche selbst am besten sagen können, was sie dafür brauchen.


Women in Mobility: Welche Rolle spielte POINT& bei der Projektentwicklung? Und welche Rolle wird POINT& bei der Umsetzung übernehmen?

Lina Mossahammer: POINT& war von Beginn an als Praxispartner in die Entwicklung von i-mobyl eingebunden. Unsere Rolle besteht vor allem darin Forschung, Kommunikation und tatsächliche Beteiligung vor Ort miteinander zu verbinden. Zu unseren Aufgaben gehören inbesondere die Kommunikation, das Community Management und die Co-Creation.

Wir bringen unsere Erfahrung darin ein, komplexe Mobilitätsthemen verständlich zu vermitteln,

unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und Beteiligung so zu gestalten, dass Menschen wirklich mitmachen wollen. Im Projekt geht es genau darum: Jugendliche nicht nur als Forschungsobjekte zu betrachten, sondern sie aktiv in den Prozess einzubinden.


Gemeinsam mit UWM.Mobilität und der Stadt Salzburg unterstützen wir insbesondere den Living-Lab-Prozess in Salzburg. Wir wollen Räume schaffen, in denen Jugendliche ihre Perspektiven einbringen, gemeinsam Lösungen entwickeln und diese anschließend in der Praxis testen können.

Unser Beitrag bei i-mobyl lässt sich deshalb vielleicht am besten so zusammenfassen: Wir bringen Forschung und Menschen zusammen – und helfen dabei, aus Erkenntnissen konkrete Ideen und aus Ideen echte Veränderung zu machen.

Wir arbeiten eng mit den Städten zusammen, vor allem in Paris und Salzburg. In Salzburg wird

beispielweise derzeit ein neuer Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) entwickelt. Unsere Aktivitäten stimmen wir darauf ab, wo konkrete Veränderungen möglich und geplannt sind.

Beim Kick-off in Salzburg waren unter anderem der Bürgermeister, der Vizebürgermeister, die

Verkehrsstadträtin und die Verkehrssprecher:innen der Parteien sowie Vertreter:innen der Verwaltung, der Verkehrsplanung und aus verschiedenen weiterne Organisationen anwesend. Sie tauschen sich direkt mit den Jugendlichen über deren Visionen aus. Dieser Austauch hat wesentlich zur Motivation aller Beteiligten beigetragen!


Quellen

  • The importance of including children and youth in urban and traffic planning – Interreg North Sea K

  • indergerechte Planung für eine nachhaltige Stadt – Wiener Umweltanwaltschaft


Salzburg wird Living Lab für europäische Mobilitätsforschung mit Jugendlichen – Stadt Salzburg

i-mobyl : Creating fair and healthy mobility for young people in cities.

Fotos: Alexander Killer / Stadt Salzburg

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