"Ich wohne direkt an einer U-Bahn-Haltestelle – und liebe es!"

Vor gut einem Jahr hat der WiM Hub Rhein-Ruhr sein erstes #MoveUp veranstaltet. Das Thema: Mobilität als Haltung. Das Mobilität auch eine Standortfrage ist, erlebt Petra Bönnemann, Mitgründerin des Hubs Rhein-Ruhr, quasi täglich.



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Für Unternehmen entscheiden Mobilität und Infrastruktur schon seit jeher über die Attraktivität eines Standortes: ist der Firmensitz für Arbeitnehmende, Lieferanten und Kunden gut zu erreichen? Je besser die Verkehrsanbindung, desto attraktiver ist die Lage.

Und je besser die Mobilitätsangebote vor der Haustür sind, desto häufiger lassen Menschen das Auto stehen - oder verzichten gleich ganz darauf.


Denn ein Auto vor der Tür zu haben, bedeutet nicht unbedingt, seine täglichen Ziele gut zu erreichen. Gerade in Städten sei man zu Fuß, Rad oder dem ÖPNV meistens besser und schneller unterwegs, heißt es auch beim Umweltbundesamt. “Umgekehrt erfordert Mobilität und Erreichbarkeit oftmals keinen hohen Motorisierungsgrad.”


Doch das Auto ist immer noch Deutschlands Fortbewegungsmittel Nummer eins: An einem durchschnittlichen Tag verlassen 85 Prozent der Bevölkerung in Deutschland das Haus: zum Arbeiten, zur Schule, zum Einkaufen, um Freunde und Verwandte zu treffen oder die Kinder zur Schule zu bringen. Dabei gibt es unterschiedliche Muster innerhalb verschiedener Gruppen - Männer sind etwas häufiger unterwegs als Frauen, wohlhabende Menschen gehen häufiger raus als Leute, bei denen das Geld knapp ist und ältere Menschen bleiben eher mal einen Tag zu Hause als jüngere.

Aber im Schnitt legt jeder Mensch in Deutschland pro Tag drei Wege zurück und ist damit eine Stunde und 20 Minuten lang beschäftigt. Insgesamt werden in Deutschland so jeden Tag im Schnitt 3,2 Milliarden Kilometer zurück gelegt. 75 Prozent davon mit dem Auto. (Quelle: Mobilität in Deutschland)



Ich wohne direkt an einer U-Bahn-Haltestelle – und liebe es! Ich bin schneller mit der Unabhängigen in der Stadt als mit dem Auto, die hohe Taktfrequenz macht den Pkw ohnehin (fast) überflüssig

Petra Bönnemann, Diversity Managerin bei der BOGESTRA.




Klar gibt es weiterhin viele Gegenden, wo man ohne Auto nicht weiterkommt. Wo täglich zwei mal der Bus fährt und der nächste Bäcker oder die nächste Arztpraxis zig Kilometern entfernt sind.

Aber der Blick in die Statistik zeigt, dass nur ein kleiner Teil der Autos, die in Deutschland verkauft werden, auch regelmäßig benutzt werden.

Auf 1000 Menschen kommen hierzulande 527 Autos, von denen 40 Prozent nicht jeden Tag genutzt werden. Und die Autos, die regelmäßig gefahren werden, sind durchschnittlich 45 Minuten pro Tag unterwegs.


Das eigene Mobilitätsverhalten hinterfragen

Deshalb hat der WiM Hub Rhein-Ruhr - beheimatet in einer Metropolregion mit vielen Mobilitätsalternativen - in seinem ersten #MoveUp dazu aufgerufen, Mobilität nicht als nur Aufgabe von Stadtplaner*innen, Verkehrsunternehmen und Ministerien zu verstehen, sondern auch als eine Frage der Einstellung.

Wie zuverlässig Petras U-Bahn ist, zeigt u.a. ihr persönliches Erlebnis mit dem Sturm Ela, der 2014 über das Ruhrgebiet fegte. “Nach dem Sturm ging bei uns gar nix mehr und unser Auto ist unter einer überschwemmten Brücke buchstäblich abgesoffen. Die U-Bahn hingegen fuhr (zumindest im unterirdischen Teil) wie `ne Eins. Nach 2 ½ Stunden Odyssee im Auto konnten wir das erleichtert feststellen.”

Der Nachteil: “Leider bin ich jetzt verkehrstechnisch so verwöhnt, dass ich keine gute Wohnung finde, die gleichzeitig diesen hohen Mobilitätsansprüchen gerecht wird.”


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