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„Wir tragen zur Entwicklung der Unternehmenskultur bei“

Wozu braucht es ein Frauennetzwerk? Was bringt Mitglieder dazu, wirklich mitzumachen? Und wie viel Rückhalt braucht es aus dem Unternehmen? Unsere Learnings aus der zweiten Runde der WiM Netzwerk-Dialoge.


Keyvisual der WiM Netzwerk-Dialoge mit Teilnehmerinnen einer Women-in-Mobility-Veranstaltung und dem Schriftzug „WiM Netzwerk-Dialoge: Wir bringen Euch zusammen“.
Die WiM Netzwerk-Dialoge bringen untrernehmensinterne Frauennetzwerke aus der Mobilitätsbranche zusammen, um Erfahrungen, Herausforderungen und Best Practices miteinander zu teilen.

Um ein Frauennetzwerk in einem Unternehmen zu gründen, braucht es häufig nicht viel: ein Foto mit ausschließlich männlichen Führungskräften, den Wunsch, etwas zu verändern, ein paar Mitstreiterinnen. Das Netzwerk über Jahre lebendig zu halten, Frauen zum Mitmachen zu bewegen und mit der eigenen Arbeit spürbar etwas zu verändern, ist dagegen deutlich anspruchsvoller.

Genau deshalb bieten wir euch mit den WiM Netzwerk-Dialogen einen Blick hinter die Kulissen anderer Frauennetzwerken aus dem Mobilitätsbereich. Wir laden die Vertreterinnen unternehmensinterner Netzwerke ein, ihre Erfahrungen und Best Practices zu teilen, damit wir alle davon lernen können. Ziel ist es, aus euren Learnings ein Whitepaper „How to Frauennetzwerk“ zu erstellen. Denn die Herausforderungen und Fragen wie auch die pragmatischen Lösungsansätze ähneln sich. Unabhängig, ob ihr beim kleinen Mittelständler oder beim international tätigen Großkonzern arbeitet, ob in der Forschung oder der Produktion.


Learning 1: Ohne Ressourcen geht es nicht

Ob eure Netzwerke ehrenamtlich organisiert oder von der Geschäftsführung finanziert, ob sie regional aufgestellt oder über ganz Deutschland verteilt sind, sie alle brauchen in irgendeiner Form Ressourcen und Rückendeckung.

Beim Frauennetzwerk der Deutschen Bahn beispielsweise ist die Möglichkeit, Arbeitszeit für das Engagement zu nutzen, individuell geregelt. Ein eigenes Budget oder eine eigene Kostenstelle gibt es nicht. Umso wichtiger wurde für das Netzwerk die Unterstützung von oben, berichtet Franziska Fuchs von Frauen bei der Bahn. „2016, glaube ich, haben wir Ronald Pofalla damals als Unterstützer gewonnen, der uns ein Budget zugesagt hat und sich regelmäßig mit uns zusammengesetzt hat und unsere Stimme in den Vorstand getragen hat. Mittlerweile sind unsere Unterstützer Evelyn Palla und Michael Petersen“, erzählt sie. Ohne diesen Rückhalt sei es schwierig, größere Veränderungen anzustoßen.

Was nicht heißt, dass eine ehrenamtliche Struktur nur Nachteile hat, wie Dr. Fehime Demir beim ersten Netzwerk-Dialog am Beispiel des Netzwerkes von Volkswagen deutlich gemacht hatte. Die Unabhängigkeit gebe dem Netzwerk große Freiheit bei seiner strategischen Ausrichtung und schaffe Nähe zu den Mitgliedern, Authentizität und Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig seien natürlich Zeit und Budget begrenzt.

Es geht also nicht darum, dass jedes Netzwerk zwingend eine eigene Kostenstelle und hauptamtliches Personal braucht. Aber es braucht Klarheit darüber, welche Ressourcen zur Verfügung stehen und welche Arbeit mit diesen Ressourcen realistisch geleistet werden kann.


Learning 2: Das Netzwerk braucht eine Vision

Vor allem aber brauche ein Netzwerk eine Antwort auf die Frage: Warum gibt es uns? Das zeigt die Entwicklung vom noch recht jungen Netzwerk wDrive. Das Netzwerk entstand im Umfeld des mFUND und richtet sich inzwischen an Expertinnen mit dem Schwerpunkt Mobilitätsdaten und Digitalisierung der Mobilität. Das Organisationsteam hat sich bewusst mit der Frage auseinandergesetzt, warum es wDrive zusätzlich zu anderen Frauennetzwerken wie Women in Mobility überhaupt braucht. Die Antwort: ein klares Profil mit einem starken Fokus auf Forschung, Innovation und datenbasierte Themen.


Die Frage nach dem eigenen Zweck beschäftigt auch etabliertere Netzwerke. Beim ersten Netzwerk-Dialog berichtete Petra Bönnemann, dass das stark gewachsene BOGESTRA-Frauennetzwerk eine strategische Schleife plant: Was erwarten die Mitglieder inzwischen vom Netzwerk? Soll es vor allem sozialer Treffpunkt sein? Fachnetzwerk? Raum für persönliche und berufliche Entwicklung? Oder will es aktiv betriebliche Strukturen und Unternehmenskultur verändern?

Bianca Martin von Autobahn f. sagte beispielsweise, dass ihr Netzwerk sich die Vision gegeben habe, zur Entwicklung der Unternehmenskultur beizutragen. 

Anne Rethmann war Geschäftsführerin Finanzen bei der Autobahn GmbH und hat das Netzwerk Autobahn F ins Leben gerufen. Im Video stellt sie das Netzwerk vor.

Learning 3: Formate müssen zur Community passen

Die Frage, wie aus Interessierten aktive Mitglieder werden, stellte sich ebenfalls in beiden Netzwerk-Dialogen. Eine Erkenntnis: Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Angebote, vom Stammtisch bis zum Speed-Dating. Bei wDrive beispielsweise sitzen die Mitglieder, anders als bei einem klassischen Unternehmensnetzwerk, nicht an festen Standorten zusammen, sondern sind über Deutschland verteilt. Eigene Präsenzveranstaltungen seien deshalb schwierig. Für sie sei es erfolgreicher, Netzwerkangebote an größere Veranstaltungen anzudocken, bei denen ohnehin viele Mitglieder vor Ort sind, sagte Katja Karrer-Gauß von wDrive. "Kontinuität schafft Verbindlichkeit, regelmäßige Formate, das haben wir gemerkt, schaffen dann tatsächlich auf lange Sicht auch eine größere Masse an Teilnehmerinnen", so Katja. Gleichzeitig müsse ein Netzwerk Beteiligung ermöglichen: Frauen sollen ihre Expertise zeigen und sichtbar werden statt nur Angebote zu konsumieren.


Ein letztes Learning aus Runde zwei: nur weil es bereits unternehmensinterne oder offene Netzwerke wie WiM gibt, heißt das nicht, dass es sich nicht lohnt, beim eigenen Arbeitgeber ein Netzwerk zu gründen. Man kannibalisiere sich nicht, sagt Katja. Im Gegenteil. „The more, the merrier.“

Genau darin liegt auch eine Idee der WiM Netzwerk-Dialoge: Wir können voneinander lernen und müssen weder as Rad neu erfinden noch alle dieselben Fehler selbst machen. Deshalb wollen wir weitere Netzwerke kennenlernen, Erfahrungen sammeln mit euch darüber sprechen, was in der Praxis funktioniert und was nicht.

 


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