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Die Branche braucht nicht nur Software-Entwickler

Autonomes Fahren. Ticketing-Systeme, Sharing-Angebote. Präventive Instandhaltung, Kapazitätsplanung, Lademanagement. Das sind nur einige von vielen Themen, die sich hinter dem Begriff Digitale Mobilität verstecken. Durch Digitalisierung sollen mehr Effektivität, Kundenfreundlichkeit und weniger Kosten sowie CO2 entstehen. Auch wenn es sich nicht unbedingt um neue Konzepte handelt, hakt es bei der Umsetzung. Denn es fehlen Expert*innen. Welche sind das? Was müssen sie können und wissen? Das erklären wir in einer zweiteiligen Serie.


Das Angebot an Digitalisierungsjobs wächst. Laut der bitkom-Studie aus dem November 2022 fehlen aktuell in Deutschland 173.000 IT-Fachkräfte. 2021 waren es noch 96.000. In der von Staufenbiel Institut veröffentlichte Liste der gefragtesten IT Jobs stehen folgende Jobtitel im Vordergrund:

  • Anwendungsentwickler

  • Systemadministratoren

  • Netzwerkadministratoren

  • Software-Entwickler

  • IT-Sicherheitsexperten

Das ist in der Mobilitätsbranche nicht anders. „Zu den am stärksten nachgefragten Berufen zählen wohl Programmierer:innen und Software-Entwickler:innen, oder auch Data Scientists und IT-Security-Spezialisten. Im Ingenieursumfeld dann viel Elektrotechnik und Technische Informatik,” beobachtet Valeria Kropar, Senior Business Consultant im Bereich Digital Mobility bei Bearing Point.


Bei diesen Begriffen denken viele automatisch an die Hard Skills wie Programmierung, Umgang mit verschiedenen IT-Programmen, technisches Verständnis, analytisches und abstraktes Denken. Das bestätigt auch eine LinkedIn-Analyse, in der die Profile von IT-Fachkräften und Experten analysiert wurden:

Doch dieser Blick auf die Digitalbranche, auch im Bezug auf die Mobilität, ist sehr eng. Außer Entwicklungs- und Administration-Jobs bietet die Branche vieles mehr an, zum Beispiel aus dem Bereich Analyse, Design oder Management und Marketing.


Wie es die Verkehrsunternehmen sehen

Die große Bandbreite an Digitalisierungsjobs nehmen auch die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wahr: „Wir unterscheiden hier die Digitalisierung von Kernprozessen der Mobilitätsbranche und der dazu notwendigen Management- sowie oft administrativen Unterstützungsprozesse. Außerdem gibt es eine große Bandbreite an Themen, die durch den Gesetzgeber vorgeschrieben sind,” sagt Kathrin Boden, Leiterin Unternehmensentwicklung bei DVB.

„Aktuell gefragt sind u.a. IT-Manager, IT-Spezialisten, Change-Manager, Data Analysten, Projekt- und Portfoliomanager, Prozessspezialisten sowie Technologen, Ingenieure mit Spezialwissen unserer Branche,” listet Boden auf. Als branchenspezifische Themen erwähnt sie Infrastruktur-, Verkehrs- oder Betriebsmanagement, was “neben dem klassischen Wissen an IT viel Spezialistenwissen rund um die Mobilitätsbranche” erfordert.


Bedarf erkennen und benutzerfreundlich machen

Beim Hamburger Verkehrsverbund (hvv) sieht man das teilweise anders. Das zeigt auch, dass es keine einheitliche Lösung gibt und dass jedes Unternehmen eigene Herausforderungen hat.

„Zum einen sind das digitale Prozessdenker, die unsere internen wie externen Prozesse genau analysieren und Stellen identifizieren, die Digitalisierungspotenzial oder gar Digitalisierungsbedarf haben,“ erklärt Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin des Hamburger Verkehrsverbunds (hvv).

„Auch haben User Interface und User Experience einen hohen Stellenwert in der digitalisierten Arbeitswelt … damit die Kund*innen ein optisch ansprechendes Angebot wahrnehmen können. UX-Designer*innen sorgen im Gegenzug dafür, dass das Produkt nicht nur optisch überzeugt, sondern ebenfalls einen Zweck erfüllt und intuitiv zu nutzen ist"

Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin des hvv


Die Liste geht noch weiter: auch Managament- und Vermarktungsaufgaben finden sich unter den Digitalisierung-Stellenangebote. Die oben erwähnten Fachkompetenzen sind am besten einsetzbar, wenn sie mit einer Portion Kreativität und Out-of-the-Box-Denken verknüpft werden.


„Kein klassisches Jobbild ist das der Strategen und Visionäre, jedoch sind diese dadurch nicht weniger relevant. Hier bedarf es an Visionen und Vorstellungskraft,” beschreibt Korbutt ihre Erfahrung, fügt aber gleich hinzu: „Besonders braucht es auch analytische Köpfe hinter den Strategien und Visionen, die Daten erheben, analysieren und auswerten. Ohne sie fehlt vielen geschäftlichen Entscheidungen die Grundlage.” Die hvv-Geschäftsführerin geht in Ihrer Überlegung bei der Digitalisierung der Mobilitätsbranche noch weiter und erklärt den Bedarf an Expert*innen für interne und externe Kommunikation. Die neuen Ansätze und revolutionären Ideen müssen nämlich überzeugend vermarktet werden, vor allem im Zusammenhang mit der Online-Welt und neuen Wegen, wie Kunden erreicht werden müssen.


Alle Funktionen vertreten

Dass Digitalisierung eine Teamarbeit und Verknüpfung allen möglichen Funktionen ist, bestätigt auch die Beraterin Valeria Kropar: “Es braucht Menschen, die das Big Picture sehen. Generalisten, die mit Komplexität und Unsicherheit umzugehen wissen. Das findet sich dann in verschiedenen, sowohl technischen als auch wirtschaftlichen und kreativen Berufen wieder. Ich denke nicht, dass jede:r Programmieren lernen muss - dafür gibt es ja Spezialist:innen. Aber - und das ist ein wichtiges "aber" - ein Grundverständnis der technologischen Trends, deren Funktionsweise, Chancen und Risiken, ist absolut essentiell, um die Mobilitätsbranche voranzutreiben.”


Bei so einer riesigen Aufgabe wie der Digitalisierung eines eher konservativen Systems, ist es auch schwer sich vorzustellen, es könnte anders gehen, als durch enge Zusammenarbeit.



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