Vier Projekte für mehr Verkehrssicherheit

Aktualisiert: Juni 10

Immer noch ereignen sich im Straßenverkehr jedes Jahr zig Unfälle. Laut Statistischem Bundesamt hat es allein im Jahr 2018 bundesweit 2.245.078 Unfälle gegeben. Vom kleinen Blechschaden bis zur Massenkarambolage. 327.453 Menschen wurden dabei verletzt, 2.719 sind gestorben. Der WiM Hub Berlin hat vier Expert*innen gefragt, wie sich das ändern lässt.

Foto von Kuma Kum bei Unsplash


Fahrrad fahren hält fit und ist umweltfreundlich. Aber in vielen geraden großen Städten ist es auch mitunter recht gefährlich. Zumindest fühlt es sich für viele Radfahrer*innen nicht sicher an, zwischen all den Autos, Lastwagen, Bussen und Mopeds unterwegs zu sein.

Entsprechend legen Menschen in Deutschland nur rund 10 Prozent aller Strecken mit dem Rad zurück. Das will das Projekt SuSi3D - Subjektive Sicherheit im Radverkehr der TU Berlin ändern.


„Wieso bin ich als umweltfreundlichster Verkehrsteilnehmer – abgesehen vom Fußgänger – immer noch so benachteiligt?“

Studienteilnehmer*in


Sina Wachholz ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Integrierte Verkehrsplanung der TU und erforscht, an welchen Stellen sich Radfahrer*innen besonders unsicher sind. Dafür lässt sie Menschen digital durch ein dreidimensionales Modell von Berlin radeln und interviewt sie anschließend zu ihren Eindrücken.

Zusätzlich testen die Proband*innen auch sogenannte Protected Bike Lanes oder Fahrradkreisverkehre aus dem Ausland. So radeln Wachholz Teilnehmer*innen nicht nur digital durch Berlin, sondern beispielsweise auch durch Kopenhagen.

Die Ergebnisse aus diesem Forschungsprojekt sollen in die Stadtplanung einfließen und so für mehr Sicherheit auf dem Fahrrad sorgen.


In der Stadt sicher zu Fuß unterwegs

Wolfgang Packmohr ist ehemaliger Polizeidirektor und mittlerweile Dozent an der Hochschule für Polizei und Verwaltung (HSPV) NRW. Seit dem Jahr 2000 beschäftigt er sich mit der Sicherheit im Straßenverkehr und ist Mitglied bei FUSS e.V., dem Fachverband für Fußverkehr in Deutschland.

Er sagt, dass gemeinsam genutzte Fuß- und Radwege die Unfallgefahr erhöhen und deshalb ein wachsendes Thema der Mobilitätswende sind.


Zu Fuß zu gehen ist die natürlichste, gesündeste und umweltfreundlichste Art am Straßenverkehr teilzunehmen. Dazu bedarf es barrierefreier Gehwege und einer menschenorientierten Stadtplanung.

Ihm gehe es aber nicht darum, Verkehrsarten gegeneinander auszuspielen. Radverkehr, eScooter und Fußverkehr haben die selben Rechte im städtischen Verkehr. Deshalb benötigen alle Verkehrsteilnehmer eine sichere Infrastruktur. Dazu gehören sicherere Überwege, weniger (Sicht-)Hindernisse an Kreuzungen und weniger konfliktreiche Ampelschaltungen. Sprich: Die Ampeln für Fußgänger, Auto- und Radfahrer sollten nicht gleichzeitig grün sein.

Auch die Parksituation in den Städten könne für Rad- und Fußverkehr gefährlich werden. Wie fußgängerfreundlich die eigene Stadt ist, können Kommunen mit dem Fußverkehrs-Check überprüfen. Für Verkehrsplaner*innen haben 700 Expert*innen einen Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien herausgegeben. Das PDF gibt es hier zum Download.


Mehr Sicherheit für Kinder

Zwar nimmt die Zahl der Unfälle mit Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr seit Jahren stetig ab. Dennoch sind allein im Jahr 2019 rund 5.800 Kinder unter sechs Jahren im Straßenverkehr verunglückt. Davon wurden 902 schwer verletzt, 22 starben.

Kerstin Pfetsch, Koordinatorin von „Berlin Sicher Mobil“ des ADAC Berlin-Brandenburg e.V., setzt sich dafür ein, das Unfallrisiko von Kindern im Verkehr zu minimieren.


Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmende können wir nur erreichen, wenn viele Verkehrssicherheitsakteure zusammen daraufhin arbeiten.



„Berlin Sicher Mobil“ stellt deshalb Verkehrserziehungsangebote für Schulen bereit. Zum Beispiel

spielerisches Lernen vom richtigen Verhalten im Straßenverkehr, Fahrradparcours oder "Achtung, Auto", wo Kinder mehr über Reaktionszeiten, Brems- und Anhalteweg lernen.

Das Verkehrslabor zeigt, wie Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr sichtbarer werden können und Jugendliche und Führerscheinneulinge lernen bei 'Mobil mit Köpfchen‘ wie sich unvernünftiges Fahren auf Umwelt und Geldbeutel auswirken kann.


Aber nicht nur für junge, auch für ältere Menschen kann es im Verkehr einer Großstadt gefährlich werden. Für sie bietet das Programm Mobil bleiben, aber sicher!“ der Deutschen Verkehrswacht verschiedene Kurse an:

  • fahrpraktische Trainings

  • Sicherheitstrainings

  • Fahrrad- und Pedelectrainings

  • Rollatortrainings


Ältere Menschen können viel tun, um möglichst lange sicher mobil zu sein. Aber auch sie benötigen eine Infrastruktur, die einfach, übersichtlich und barrierefrei gestaltet ist, sagt Karin Müller, Projektreferentin bei der Deutschen Verkehrswacht.


Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmende können wir nur erreichen, wenn viele Verkehrssicherheitsakteure zusammen daraufhin arbeiten.

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